Das Geisterschiff

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Das Geisterschiff

 Ein Alptraum

   Schwarz ist die Nacht, mondlos, irr flackern die Seefeuer, scheu huschen die Lichtfinger der  Feuerschiffe über die kochende See. Gespenstisch leuchten die Schaumkronen der tobenden Dünung. Die Schutzhäfen sind dem Ansturm der Hilfe suchenden Schiffe nicht mehr gewachsen. Bei diesem Wetter will niemand draußen sein. Niemand will in dieser Nacht auf See sein, denn diese Nacht gehört dem

"Geisterschiff!"

Schrecken verbreitend kreuzt es durch die Meere der nördlichen Halbkugel. Ein drohendes Ungeheuer, bestückt mit wahllos feuernder Artillerie, gesteuert und genährt von einer teuflischen Besatzung, unter einem gnadenlosen Kapitän, das ist das Geisterschiff! Sein massiger Rumpf pflügt mit drei-komma-sechs Knoten durch die See, über seinem Schornstein flimmert ein blutfarbener Hitzefilm, seine Hecksee schleudert Tiefseefische an die Wasseroberfläche. Herrisch läßt das Ungeheuer Steuerbordtonnen bei dreißig Grad Ruderlage an der Backbordseite hinter sich und fordert Fähren zum Nahkampf heraus. Gnadenlos verwechseln die Navigatoren Wracktonnen mit Slalomfähnchen, Leuchtfeuer mit Brauereileuchtreklamen! Die Radareulen lassen ihre Antennen falsch herum laufen, um die Hindernisse aus dem Sichtbereich zu vertreiben. Die Funker hören den Landfunk ab um das Steigen ihrer Skalppreise zu verfolgen und die Sanis schnarchen mit den Versorgern um die Wette, sie sind die Einzigen, denen Neptun Schlaf gönnt. Der Rest der Besatzung fiebert unter Deck der Versenkung der nächsten Posttonne entgegen – und nur ein Mann steht an Oberdeck: der Kapitän! Einsam und verlassen hält er auf der Brücke Wacht, verfolgt den Amoklauf seines Schiffes und von Sekunde zu Sekunde sinken seine Schultern weiter hinab, unter dem tonnenschweren Druck der Verantwortung, unter der Sorge um sein Schiff, dem Schrecken der Meere, der Hoffnung jenseitiger Abwrackwerften. Zynisch orgelt der Orkan, wütend drückt die See die Back in das salzige Chaos. Der fahle Lichtschein einer fernen Leuchttonne erhellt für Sekundenbruchteile die Seitenwand des Ungeheuers und da leuchtet ein Name auf, der Name

A61  „TENDER  ELBE“.

Diese Geschichte geht auf den Gefr. Möllers zurück, der das Stück 1967 in einer Bierzeitung auf dem "Tender Elbe" veröffentlichte. Der Gefr. Möllers war eine Radareule.


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