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AG Aufklärung der Arbeitsplatzverhältnisse Radar           29623 Munster, den 18.09.2002

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Az 47-40-00/08

___________________________________________________________________________

 

 

Radargeräte der SGR-Familie

Teilbericht SGR-103, SGR-105, SGR-114

 1. Einleitung

 Hiermit legt die Arbeitsgruppe Aufklärung der Arbeitsplatzverhältnisse Radar als Teilbericht das Ergebnis der Untersuchungen des Betriebes der Radargeräte der SGR-Familie in der Marine vor. Es handelt sich bei diesen Geräten um Rundsuchradargeräte zur Luftraum- und Seeüberwachung; mit ihnen konnten teilweise auch Navigationsaufgaben erledigt werden. Die Geräte wurden auf Zerstörern, Fregatten und Tendern eingesetzt. Die Marinearsenale in Kiel und Wilhelmshaven waren – und sind noch heute – die zentralen Dienststellen für Wartung, Reparatur und technische Änderungen von Radargeräten. Entsprechend sind dort Referenzanlagen aufgebaut, in denen Baugruppen von Radaranlagen der Schiffe untersucht und getestet werden. Daraus ergibt sich, dass die Arbeitsplätze in den Marinearsenalen grundsätzlich einer gesonderten Betrachtung bedürfen, da hier sowohl hinsichtlich der Betriebsweise der meist geöffneten Senderschränke als auch der Länge der Arbeitszeiten Abweichungen vom Bordbetrieb auftreten.

 

Im vorliegenden Teilbericht werden Technik und Einsatz der Radargeräte für die Gerätetypen der "SGR-Familie" zusammenfassend beschrieben. Die auf die jeweiligen Röntgenstörstrahler zu beziehenden technischen Angaben und Ortsdosisleistungswerte werden für jedes Gerät getrennt dargestellt. Im darauf folgenden Abschnitt werden die Tätigkeiten des Fachpersonals beschrieben. Da verschiedene Geräte der SGR-Familie immer zusammen auf den Schiffen installiert waren und der Einsatz des Fachpersonals ebenfalls geräteübergreifend erfolgte, wird die Beschreibung der Tätigkeiten in den Betrieb an Bord und in den Arsenalen unterteilt. Diese Unterteilung wird auch für den letzten Abschnitt beibehalten, in dem die Arbeitsplatzverhältnisse bewertet werden.

 

Nachdem Ende des Jahres 1975 bei Messungen an SGR-Radaranlagen im Marinearsenal Wilhelmshaven hohe Werte der Ortsdosisleistung von Röntgenstrahlung aus Störstrahlern festgestellt worden waren, wurden umfangreiche technische und administrative Maßnahmen getroffen. So wurde das betroffene Personal namentlich erfasst. Neben Personendosimetrie wurde auch eine strahlenbiologische Dosimetrie durchgeführt; deren Ergebnisse sind im Abschnitt 5. dieses Berichts kurz dargestellt. Die Aufsichtsbehörde legte Werte der Ersatzdosis und Ersatzdosisleistung auf der Basis von Mittelwerten der Exposition und der tatsächlichen Expositionsdauern im Einzelfall fest.

Diese zeitnah getroffene Untersuchung von Einzelfällen wird im vorliegenden Bericht nach dem Kriterium erweitert, Maximalwerte für die allgemeine Betrachtung anzusetzen, auch wenn ggf. diese Werte nur ein Mal festgestellt wurden und absichtliche Veränderung technischer Parameter während der Messung, um den ungünstigsten Fall zu ermitteln, zu diesem Wert geführt haben.

 Anmerkung: Es wurde in den Ausführungen 2.3 schon richtig bemerkt ………wurden ebenfalls hohe Werte gefunden.

Die gemessenen Werte von 50 R/h an Bord und bei uns in der Werkstatt ( defekter Sender wurde  auf der „ Emden“ ausgebaut u. bei uns in der Werkstatt wieder aufgebaut) und auch die anderen gemessenen Werte von 10 R/h, 12 R/h, usw. sind nicht durch absichtliche Veränderungen Technischer Parameter aufgetreten, sondern sind Messungen die bei Reparaturarbeiten gemacht worden sind.

 2. Beschreibung und Einsatz der Radargeräte der SGR-Familie

 2.1. Ausrüstung

 Die Marine hat ab 1961 ihre ersten in Deutschland gebauten Zerstörer, Fregatten und Tender mit Radargeräten der SGR-Familie des Herstellers Hollandse Signaalapparaten B. V. ausgerüstet. Zu dieser Familie gehörten die Rundsuchradaranlagen SGR-103, SGR-105 und SGR-114, das Höhensuchradar SGR-104, sowie das Feuerleitradar SGR-108. Vom Höhensuchradar SGR-104 wurde nur eine Anlage beschafft. Diese war von 1962 bis 1967 auf Fregatte „Scheer“ im Einsatz. Sie wird in diesem Bericht nicht weiter betrachtet, weil Dokumentationen zu diesem Gerät bisher nicht beschafft werden konnten. Es existiert lediglich ein Messbericht aus dem Jahre 1963, der eine maximale Dosisleistung von 150 µSv/h an der Innenseite des Senders an der vorderen und seitlichen Abdeckwand in Höhe der Dioden-Anoden (vermutlich Typ 8020) angibt. Das SGR-108 Radar nimmt als Feuerleitradar in dieser Familie eine Sonderstellung ein und wird daher in einem getrennten Bericht behandelt.

 An Bord der Schiffe waren die einzelnen Komponenten der Radaranlagen in verschiedenen Räumlichkeiten auf unterschiedlichen Deckebenen untergebracht. Die Anlagenteile, die Röntgenstörstrahler beherbergten, wie Senderschrank und Modulator, befanden sich in den Radarsende- und Empfangsräumen. Zutrittsberechtigt war für diese Räume in der Regel nur das Instandhaltungspersonal. Im Hafen wurden die Räume verschlossen wenn dort keine Arbeiten durchzuführen waren.

 Der technische Aufbau der unterschiedlichen SGR-Typen ist ähnlich, jedoch gibt es Unterschiede der Zuordnung einzelner Störstrahler zu den Baugruppen. Dies gilt im Besonderen für das Thyratron. Es ist beim SGR-103 im Sendereinschub eingebaut, beim SGR-105 dagegen im Modulator. Die Ausrüstung der Einheiten mit SGR-Radaranlagen ist in den Tabellen 1 und 2 zusammengefasst.

Tabelle 1: Radargeräte der SGR-Familie in Schiffen der Bundesmarine

 

Klasse:

Einheit:

Nutzungszeitraum

Abschluß-datum der Umrüstung

SGR-103

SGR-105

SGR-114

101

Z „Hamburg“

23.03.64 - 24.02.94

21.02.77

X

X

X

 

Z „Schleswig –Holstein“

12.10.64 -15.12.94

WZ

X

X

X

 

Z „Bayern“

06.07.65 - 16.12.93

WZ

X

X

X

 

Z „Hessen“

08.10.68 - 29.03.90

21.02.77

X

X

X

120

F „Köln“

15.04.61 - 17.12.82

24.05.78

X

X

-

 

F „Emden“

24.10.61 - 30.06.83

24.05.78

X

X

-

 

F „Augsburg“

07.04.62 - 31.03.88

53. KW 76

X

X

-

 

F „Karlsruhe“

15.12.62 - 28.03.83

3. KW 77

X

X

-

 

F „Lübeck“

06.07.63 - 31.03.89

24.05.78

X

X

-

 

F „Braunschweig“

16.06.64 - 04.07.89

24.05.78

X

X

-

138

F „Gneisenau“

05.03.64 - 30.09.72

entfällt

-

X

-

 

F „Scharnhorst“

25.07.62 - 30.09.72

entfällt

-

X

-

 

F „Scheer“

30.11.62 - 30.11.67

entfällt

X

X

X

401

T „Rhein“

06.11.61 - 26.06.92

24.05.78

X

X

-

 

T „Elbe“

17.04.62 - 17.12.92

24.05.78

X

X

-

 

T „Weser“

14.07.62 - 25.07.75

entfällt

X

X

-

 

T „Main“

29.06.63 - 25.11.93

24.05.78

X

X

-

 

T „Ruhr“

02.05.64 - 20.12.71

entfällt

X

X

-

 

T „Neckar“

07.12.63 - 30.11.89

24.05.78

X

X

-

 

T „Werra“

02.09.64 - 21.03.91

24.05.78

X

X

-

 

T „Donau“

09.12.69 - 01.12.94

24.05.78

X

X

-

402

T „Isar“

25.01.64 - 30.09.82

6. KW 77

X

X

-

 

T „Saar“

11.05.63 - 14.02.91

WZ

X

X

-

 

T „Mosel“

08.06.63 - 28.06.90

24.05.78

X

X

-

403

T „Lahn“

24.03.64 - 25.04.91

24.05.78

X

-

-

 

T „Lech“

08.12.64 -30.06.89

24.05.78

X

-

-

440

SS „Deutschland“

25.05.63 - 28.06.90

24.05.78

X

X

X


 

Abkürzungen:

F             Fregatte

T             Tender

SS           Schulschiff

Z             Zerstörer

WZ         Werft-liegezeit                    


 

Tabelle 2: Anzahl der an Land installierten Anlagen der SGR-Familie

 

Dienststelle:

Zeitraum:

SGR-103

SGR-105

SGR-114

Marineortungsschule Bremerhaven

 

1

2

-

Marinewaffenschule, Kappeln

 

1

1

-

Marinearsenal Wilhelmshaven

1965 – 1995

1

1

1(bis 1977)

Marinearsenal Kiel

1965 – 1993

2

2

1

 

 2.2. Besonderheiten Marinearsenale

 

Die Instandsetzungen der Materialerhaltungsstufen 3 und 4 ( u.a. schwierige Instandsetzungen und Depotinstandsetzungen) wurden in den 60er Jahren durch die Herstellerfirma in ihrem Kieler Betrieb durchgeführt, wo sie über die notwendigen Testeinrichtungen verfügte.

 Komplette Referenzanlagen für Instandsetzungszwecke gab es dort nicht. Absicht der Marine war es, sämtliche Instandsetzungsarbeiten auf die Arsenale in Kiel und Wilhelmshaven zu übertragen. Dazu wurde 1965 je eine Referenzanlage SGR-103, 105 und 114 für das Marinearsenal Wilhelmshaven geliefert und provisorisch in der dortigen so genannten Torpedohalle (Halle 7) aufgebaut und in Betrieb genommen. Die Antenne wurde nicht installiert. Im Sendebetrieb wurde die Sendeenergie auf die Kunstantenne („Dummy-load“) geschaltet. Die komplette Installation und Inbetriebnahme der Anlagen erfolgte 1966 in der Radarwerkstatt Halle 4. Mit Ausnahme der SGR-114, die 1976 abgebaut und eingelagert wurde, blieben die Anlagen in der Radarwerkstatt. Im Jahre 1976 wurden die Sender SGR-103 und 105 aus der Radarwerkstatt entfernt und in einem gesonderten Raum neu installiert. Die SGR‑114 wurde, wie auch an Bord, nur selten betrieben. Grundinstandsetzungen der SGR‑114 wurden im Marinearsenal nicht durchgeführt.

 

Anmerkung:

Die SGR 114 wurde an Bord nicht selten betrieben. Darum gab es auch häufige Sofort- bzw. Zwischeninstandsetzungen die im Arsenal direkt vor unserem Gebäude stattfanden. Damals strahlten alle Anlagen im Sendebetrieb  HF-Strahlung aus, bei der LW (SGR 114) merkte man es besonders deutlich, weil dann im Radio nichts mehr zu hören war. Wir waren aber nicht nur den unterschiedlichsten Strahlen von einem Schiff ( 4 Radaranlagen, 3 Feuerleitanlagen, Funkstrahlen ) ausgesetzt, sondern es lagen meistens mehrere Schiffe an der Pier.

 

Das Marinearsenal Kiel erhielt je zwei Anlagen des Typs SGR-103 und 105 sowie eine SGR‑114. Die Anlagen wurden dort ebenfalls ohne Antennen betrieben. Sie standen für Instandsetzungen und Abgleicharbeiten sowie für die „Härtung“ (s. u.) der Magnetrons zur Verfügung. Grundinstandsetzungen fanden hier nicht statt.

 

Anmerkung: Im Arsenal Wilhelmshaven wurden die unterschiedlichsten Radaranlagen mit Antennen betrieben

Aus technischen Gründen ist es notwendig, Magnetrons, die längere Zeit nicht benutzt worden sind, in regelmäßigen Abständen in Betrieb zu nehmen und für einige Stunden einer so genannten „Härtung“ zu unterziehen. Dabei wird das Magnetron mit gleichen Werten betrieben wie beim Sendebetrieb. Um die Verfügbarkeit der Referenzanlagen nicht unnötig einzuschränken wurde mit eigenen Mitteln ein Magnetron-Härtegerät geschaffen. Es war ebenfalls in der Radarwerkstatt installiert. Um das Bild der Einrichtung der Radarwerkstatt in Wilhelmshaven zu vervollständigen, ist noch festzustellen, dass ein weiteres Radargerät, ein SPS-6 der Zerstörer Klasse 119, dort in der Zeit von 1965 bis 1975 als Referenzanlage fest installiert war. Anlässlich von Grundinstandsetzungen der Bordanlagen befand sich auch noch eine Radaranlage SPS-10 im selben Raum.

 

Anmerkung: Weitere Radaranlagen waren in dem Raum aufgebaut ? 2 Deccaanlagen 975/978 sowie 2 Kelvin-Hughes 14/9 und 1 Kelvin-Hughes 14/12p.  Es damals noch keine Zwischenwände

 

Mit der Außerdienststellung von Einheiten der Klasse 138 Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre wurden die frei werdenden SGR-Anlagen im Marinearsenal Kiel aufgebaut. Mit diesen Referenzanlagen standen Anlagen für die Instandsetzungen der Materialerhaltungsstufen 3 und 4 in den Marinearsenalen zur Verfügung. Damit verlagerten sich nach und nach die Instandsetzungstätigkeiten der Sofortinstandsetzung und ab 1971 auch die Depotinstandsetzungen in die Marinearsenale. Zusätzliche Testeinrichtungen für einzelne Bauteile, wie sie der Kieler Niederlassung der Herstellerfirma zur Verfügung standen, wurden nicht eingerichtet, so dass Arbeiten weitgehend an der zusammengebauten Radaranlage durchgeführt werden mussten.

 

2.3. Technische Maßnahmen zur Reduzierung der Röntgenstörstrahlung

 

Wie einleitend erwähnt, waren Ende 1975 bei Messungen an SGR-Radaranlagen im Marinearsenal Wilhelmshaven hohe Werte der Ortsdosisleistung festgestellt worden, die auf Emission von Röntgenstrahlung aus Störstrahlern zurück geführt wurden. Dies führte dazu, dass Anlagen vorläufig für den Betrieb gesperrt wurden. Bei weiteren Messungen an Bord der Schiffe und in Landeinrichtungen wurden ebenfalls hohe Werte gefunden. Der Befund hat Notfalluntersuchungen und Sofortmaßnahmen u.a. durch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ausgelöst.

 

Als Ursachen der hohen Emissionswerte wurden Fehlanpassungen, hervorgerufen durch Anlagenfehler und Alterung der Störstrahlerröhren ermittelt bzw. angenommen. Die Marine und die Herstellerfirma reagierten und erarbeiteten einen Änderungsvorschlag, der noch im selben Jahr trotz fehlender Haushaltsmittel umgesetzt wurde.

 

Anmerkung: Ermittelt wurde auch die unzulässig hohen Betriebsspannungswerte

 

Die Änderungen bestanden im Wesentlichen im Ersatz der Clipperdioden durch Widerstands-Halbleiter-Kombinationen, im Anbringen eines Blei-Bleches oder einer Bleikappe am Magnetron der SGR-103 bzw. SGR-105-Anlage und im Ersatz des Glaskolben-Thyratrons durch ein Keramik-Thyratron. Die Umrüstungsmaßnahmen wurden an Bord Mitte 1976 begonnen. Im Sommer 1977 waren mit Einbau des Änderungssatzes auf dem Tender „Rhein“ sämtliche Anlagen einschließlich der Depotreserven umgerüstet. Die Arsenalanlagen wurden bereits im August 1976 umgerüstet. Im Jahre 1978 wurde mit der Firma HSA eine vertragliche Regelung bezüglich der Umrüstung getroffen.

 

Anmerkung: Schreiben vom 29.04.77 Gesamtpersonalrat….. Anläßlich einer Aufklärungsveranstaltung am 24.02.77 in W´haven ………. wurde festgestellt, dass Beschäftigte an Radargeräten trotz aller bisher getroffenen Massnahmen weiterhin Röntgenstrahlung ausgesetzt sind………..

 

Fernschreiben vom 16 .06.1977 …… für die radarräume an/sps-10 ( Z103, Z119 ) und an/sps 52

( Z 103) wurden nach der Vermessung Kontrollbereiche angeordnet.

Die Gleichrichterröhren typ 4b31 sind nicht mehr zu verwenden.

Die aus der US-Versorgung zulaufenden Glas und Keramikthyratrons typ pl 522, 5c22 und 8613 sind nicht mehr zu verwenden.

 

22.02.1978 Freg. Karlsruhe………. Störstrahler wurden in folgenden Anlagen festgestellt……..

Doppelsichtgerät SGM 106 ( KSR-Einheit)

 

06.10.1978 Radarleit   …… dass eine Gefährdung durch Röntgenstrahlung……In letzter Zeit haben wir bei Reparaturarbeiten an Bord der Schiffe der Bundesmarine festgestellt, dass in die  SGR-Radar-Anlagen normale 8613 Thyratrons eingebaut sind.

 

2.4. Radioaktive Stoffe

 

In den Anlagen der SGR-Familie wurden radioaktive Stoffe in dem bei Radargeräten üblichen Umfang verwendet, wozu auf die vorliegenden geräteübergreifenden Berichte verwiesen sei. An den Richtungszeigern für Seitenwinkel und Kippwinkel der SGR-103 und SGR-105-Anlagen wurde Ra-226-haltige Leuchtfarbe in einem abgedeckten Anzeigeinstrument verwendet, das im Radar-Empfangsraum eingebaut war.

 

Anmerkung: Nicht nur im Radarempfangsraum, sondern u.a. auch in der OPZ ( wo Fernbediengeräte waren).

Nicht zu vergessen sind defekte (Glasbruch )radioaktive Röhren, bzw. durch Feuchtigkeit defekte TR-Zellen
 

 

3. Technische Beschreibung der Röntgenstörstrahler und Orts-dosisleistung

 

3.1. SGR-103

 

3.1.1. Technische Beschreibung

 

Das SGR-103 ist eine militärische Seeüberwachungsanlage für die Einsatzbereiche

 

-Ermittlung und Standortbestimmung von Seezielen

-Hilfeleistung bei der Navigation

-Ermittlung und Standortbestimmung von nahen Luftzielen

-Hilfeleistung beim Minenräumen

 

Neben der Bezeichnung SGR-103 war auch die Bezeichnung 'ZW' gebräuchlich. Die erste SGR‑103-Anlage wurde etwa 1961 mit Indienststellung der Fregatten der „Köln“-Klasse in die Bundesmarine eingeführt. Die Nutzung endete  1994 mit der Außerdienststellung des letzten Zerstörers der „Hamburg“-Klasse. Die an Bord und an Land installierten Anlagen sind in den Tabellen 1 bzw. 2 zusammengefasst.

 

Die SGR-103-Anlage war modular aufgebaut. Die wichtigsten Komponenten waren Antenne, Sender sowie Empfänger/Modulator mit Anschluss/Hauptbedienungskästen. Sichtgeräte und weitere überwiegend der Betriebsmittelversorgung dienende Aggregate ergänzten die SGR‑103-Anlage. Abbildung 1 zeigt eine Übersicht der SGR‑103-Anlage. Der Sender enthielt die Röntgenstörstrahler Magnetron, Schaltthyratron, sowie die Clipperdioden. Im Modulator waren die Gleichrichterdioden Röntgenstörstrahler.

3.1.2. Röntgenstörstrahler

 Im Sender sind folgende Röntgenstörstrahler eingebaut:

a)         2 Clipperdioden         Typ CV 2967 (8020, 8020W)

b)         1 Magnetron               Typ CV 7008 oder YJ 1010

c)         1 Thyratron                 Typ CV 2520 (PL 522, 5C22)

 

Abbildung 2 zeigt den Aufbau des Senders mit den Einbauorten der Röntgenstörstrahler a) und b). Abbildung 3 ist die mit Maßen versehene Ansicht des Senderschrankes. Daraus und aus dem Umstand, dass der Senderschrank auf einer 70 cm hohen Konsole montiert war, ergibt sich für die Röntgenstörstrahler eine Einbauhöhe über Boden von etwa 110 cm.

 

Im Modulator stellen die als Hochspannungsgleichrichter eingesetzten  Glaskolbendioden vom Typ CV 2967 oder 8020 Röntgenstörstrahler dar. Im Modulator sind vier Gleichrichterdioden vorhanden. Abbildung 4 zeigt den geöffneten Modulatorschrank . In Abbildung 5 sind die Einbauorte der Gleichrichterröhren skizziert. Aus Abbildung 4 und 5 ergibt sich für die Röntgenstörstrahler eine Einbauhöhe über Boden von etwa 50 cm.

 

 

 

Abbildung 1: Übersicht der SGR-103-Anlage

 

In Tabelle 3 sind die Störstrahler der SGR-103-Anlage zusammengefasst. Die Spannungsangaben beziehen sich auf betriebsübliche Zustände.

 Tabelle 3: Störstrahler der SGR-103-Anlage

 

Nr

Baugruppe

Röntgenstörstrahler

Hochspannung

Betriebswert

1

Sender

Clipperdiode

CV 2967 oder 8020

25  kV

2

Sender

Magnetron

CV 7008 oder YJ 1010

25  kV

3

Sender

Thyratron

CV 2520 ,PL 522 oder 5C22

16  kV

4

Modulator

Gleichrichterdiode

CV 2967, 8020 oder 8020 W

5 - 8  kV

 

 

 

Abbildung 2: Ansicht des geöffneten Senderschrankes der modifizierten SGR-103-Anlage


 

Abbildung 3:   Vorderansicht des Senders der SGR-103-Anlage. Maßangaben in mm.

 

 

 

Abbildung 4: Ansicht des Modulators nach der Modifikation.

 

Abbildung 5:   Frontansicht des Empfänger/Modulators mit Maßen in mm. (Die Störstrahler des Modulators befinden sich im Kasten 5C in Höhe von ca. 50 cm ü. Boden)

 

3.1.3. Werte der Ortdosisleistung

 Der Sender der SGR-103-Anlage enthielt nichtisolierte spannungsführende Kontakte, weshalb das Personal bei eingeschalteter Hochspannung zwangsläufig einen Mindestabstand zu den Störstrahlern einhalten musste. Die vorliegenden Messwerte der Äquivalent-Ortsdosisleistung Hx wurden auf den für Arbeiten am geöffneten Senderschrank zugrundegelegten Abstand (40 cm) des Oberkörpers vom Röntgenstörstrahler bezogen. Bei der manuellen Frequenzeinstellung am Magnetron kommen die Hände in den näheren Bereich der Röntgenstörstrahler, wobei der Abstand 10 cm zugrundegelegt wird. Die für den Sender ermitteltem Maximalwerte von Hx sind in Tabelle 4 zusammengefasst.

 

Anmerkung: Da nicht nur Frequenzwechsel bei der Reparatur und Instandsetzung gemacht werden, kommt der Techniker gerade bei der Fehlersuche mit Hochspannungstastköpfen z.B. Spannugsmessungen, Oszillographieren von Impulsen usw. sehr nahe mit dem Oberkörper, Kopf,  in den Strahlungsbereich.


Tabelle 4:    Maximalwerte und Mittelwerte der Messungen der Ortsdosisleistung an den Störstrahlern des Senders der SGR‑103- Anlage

 

Nr

Störstrahler

Hoch-

spannung

Abstand

Mittelwert

der Orts-dosisleistung

Maximalwert Orts-dosisleistung

1

Clipperdiode

CV 2967, 8020, 8020 W

25 kV

40 cm

10 cm

 9,4 mSv/h

150 mSv/h

  59 mSv/h

940 mSv/h

2

Magnetron

CV 7008, YJ 1010

25 kV

40 cm

10 cm

0,006 mSv/h

0,095 mSv/h

    2,3 mSv/h

  37 mSv/h

3

Thyratron

PL 522

16 kV

40 cm

10 cm

0,216 mSv/h

3,4 mSv/h

    2,8 mSv/h

  44,3 mSv/h

4

Gleichrichterdiode

CV 2967, 8020, 8020 W

  5 - 8 kV

10 cm

 

 0,125 µSv/h

 

Die Röntgenstörstrahlung trat aus Clipperdiode und Thyratron als vertikal begrenztes Strahlenbündel in Einbauhöhe der Röhren aus. Am Aufenthaltsort des Personals (Abstand 40 cm) war es im Höhenbereich zwischen etwa 80 – 140 cm mit einem Maximum in etwa 110 cm. Somit ist nicht von einer Ganzkörperexposition durch Strahlung mit dem Maximalwert dieser Strahlenfelder auszugehen. Hinweise auf erhöhte jenseitig der angegebenen Spannung des Magnetrons liegende Betriebsspannungen hatten sich als nicht stichhaltig erwiesen.

  

Die vorliegenden Messprotokolle zur Röntgenstörstrahlung der Clipperdioden, die denen die bei weitem höchsten Messwerte festgestellt wurden, weisen extrem schwankende Werte der Dosisleistung aus. Abbildung 6 illustriert die erhebliche Schwankungsbreite der Messwerte, die sich über 6 Größenordnungen – Bereich 10-3 bis 10 3 mSv/h - erstreckt. Der Maximalwert wurde auf der Fregatte 'Emden' ermittelt. Der Mittelwert der Ortsdosisleistung im Abstand von 10 cm zur Clipperdiode betrug 150 mSv/h.

       

 

Abbildung 6:   Häufigkeitsverteilung der Messwerte der Ortsdosisleistung der Clipperdiode und des Thyratrons im Sender der SGR-103 Anlage in 10 cm Abstand. (Die Skalen der Abszisse sind im logarithmischen Maßstab, der Maximalwert liegt bei der Clipperdiode bei 940 mSv/h; auf die Unterschiede der Einheiten wird hingewiesen.)

 

Abschätzungen der möglichen Größenordnung der Röntgenstrahlungsausbeute zeigen, dass der bei der mit der Funktion als Clipperdiode eingesetzten Röhre 8020 gemessene Maximalwert der Ortsdosisleistung von 940 mSv/h in 10 cm Abstand nicht im Widerspruch zu deren elektrischen Daten steht. Elektrische Verlustleistungen im Bereich unter 10 W können für Äquivalentdosisleistungen im Bereich bis 10 mSv/h im Abstand von 1 m zur Röhre bereits ausreichend sein. Beim Schaltungseinsatz als Clipperdiode, die das Magnetron vor Deformationen (hauptsächlich Spannungs-'Überschwinger' mit 'falscher' Polung) der gepulsten Hochspannungsversorgung schützt, kann die Diode mit einem weiten Bereich elektrischer Verlustleistungen und Spannungen beaufschlagt werden. Die Messwerte der Ortsdosisleistung weisen oft große Unterschiede zwischen den Einstellungen 'Puls lang' und 'Puls kurz' auf. Die Pulslängen-Umstellung wird durch Umschaltung am Netzwerk des Modulators erreicht und hat möglicherweise Änderungen der Anpassung des Magnetronkreises mit den beobachteten starken Variationen der Röntgenstörstrahlungsemissionen der Clipperdioden zur Folge.

 

Im Sender der SGR-103 befanden sich Clipperdiode und Thyratron räumlich nahe beieinander. Ob bei der Messung der Ortsdosisleistung des Thyratrons der Beitrag der Emission der Clipperdiode immer vollständig abgetrennt wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. Die hier angegebenen Ortsdosisleistungswerte des Thyratrons sind somit nicht auf andere Gerätetypen übertragbar.

 

Maßgeblich für die Dosisbetrachtung ist die Clipperdiode mit den höchsten Werten hinsichtlich Energie (25 keV) und Intensität der Röntgenstörstrahlung.

  

3.2. SGR-105

 

3.2.1. Technische Beschreibung

 

Die SGR-105-Anlagen wurden auf den Schiffen auch unter der Bezeichnung „DA“ als

-Entdeckungsradar mittlerer Reichweite von Luftzielen

-Zielzuweisungsgerät für die Feuerleitanlagen

eingesetzt.

 

Die Radaranlage war ähnlich der SGR-103-Anlage modular mit weitgehend gleicher Unterteilung aufgebaut. Abbildung 7 enthält eine Übersicht. Als Besonderheit war die Antenne auf einer lagestabilisierten Plattform montiert. Damit konnten Roll- und Stampfbewegungen des Schiffes ausgeglichen und der Radarstrahl unabhängig von den Schiffsbewegungen immer im vorbestimmten Elevationswinkel abgestrahlt werden.

 

Entsprechend diesem Ausstattungsmerkmal gab es 2 detaillierte Anlagenbezeichnungen

 

1)           -Zielzuweisungsradaranlage stabilisiert:        SGR-105/04
2)         -Zielzuweisungsradaranlage unstabilisiert:    SGR-105/05

 

Die SGR-105-Anlagen waren meist zusammen mit SGR-103-Anlagen installiert und wurden wie diese etwa 1961 mit den Fregatten der "Köln"-Klasse eingeführt. Die Nutzung endete 1994 mit der Außerdienststellung des letzten Zerstörers der "Hamburg"-Klasse.

 

3.2.2. Störstrahler

 

Die SGR-105-Anlage enthielt folgende Störstrahler:

 

I.         Im Sender

a)         2 Clipperdioden         Typ CV 2967, 8020 oder 8020W

b)         Magnetron                  Typ CV 3958 oder CV 5657

II.        Im Modulator

a)         Thyratron                    Typ CV 2520, PL 522 oder 5C22

b)         5 Gleichrichterdioden Typ CV 2967, 8020 oder 8020W

 

Die Störstrahler des Senders waren räumlich eng beieinander in linken Teil des Gehäuses eingebaut. Das Sendergehäuse selbst war 1460 mm hoch, 850 mm breit und 555 mm tief. Es wurde sowohl im Marinearsenal als auch an Bord auf einem etwa 100 mm hohen Sockel montiert. Abbildung 8 zeigt den geöffneten Senderschrank, Abbildung 9 gibt die Einbaumaße des Senders wieder.

Das Modulatorgehäuse mit einer Höhe von etwa 1100 mm , einer Breite von 800 mm und einer Tiefe von 730 mm war an Bord und im Marinearsenal ebenfalls auf einem 100 mm hohen Sockel montiert .

 

In Tabelle 5 sind die Röntgenstörstrahler mit den Angaben der betriebsüblichen Hoch-spannungswerte zusammengefasst

  

Tabelle 5: Störstrahler der SGR-105-Anlage

 

Nr

Baugruppe

Störstrahler

Hochspannung

Betriebswert

1

Sender

Clipperdiode

CV 2967 oder 8020

30 kV *)

2

Sender

Magnetron

CV 3958 oder CV 5657

30 kV

3

Modulator

Thyratron

CV 2520, PL 522 oder 5C22

16 kV

4

Modulator

Gleichrichterdiode

CV 2967 oder 8020

5-8 kV

*) Spannungswert ergibt sich aus der Betriebsspannung des Magnetrons.

 

Abbildung 7: Übersicht der SGR-105 Anlage

 

    

 

Abbildung 8: Ansicht des geöffneten Senderschrankes der SGR-105-Anlage. Links vor der Modifizierung der Anlage, die u.a. im Anbringen einer Bleiabdeckung des Magnetrons und Ersatz der Clipperdioden durch eine Widerstands-Halbleiter-Kombination bestand.

 

 

 

Abbildung 9: Vorderansicht und Aufsicht des Senders der SGR-105-Anlage mit Maßangaben

  

3.2.3. Werte der Ortdosisleistung

 

Wie die entsprechenden Komponenten der SGR-103-Anlage enthielten auch Sender und Modulator der SGR-105-Anlage nichtisolierte spannungsführende Bauteile. Dadurch musste das Wartungs- und Bedienungspersonal bei eingeschalteter Hochspannung zwangsläufig einen Mindestabstand zu den Störstrahlern einhalten. Die vorliegenden Messwerte der Photonen-Äquivalentortsdosisleistung (Hx/h) werden auf den für Arbeiten am geöffneten Senderschrank zu Grunde zu legenden Abstand von 40 cm des Oberkörpers vom Röntgenstörstrahler bezogen. Näher an den Röntgenstörstrahlern liegende Aufpunkte werden zu Vergleichszwecken mit aufgeführt, sind aber für die Dosisbetrachtungen ohne Belang, da im Inneren des Senders und Modulators keine Einstellelemente vorhanden waren. Die für den Sender und den Modulator der SGR-105-Anlage ermitteltem Maximalwerte von Hx sind in Tabelle 6 zusammengefasst.

 

Tabelle 6:    Maximalwerte der Ortsdosisleistung an den Röntgenstörstrahlern des Senders der SGR-105- Anlage

Nr

Störstrahler

Hoch-

spannung

Abstand

maximale Orts-dosisleistung

1

Clipperdiode

CV 2967, 8020 oder 8020W

30 kV

40 cm

10 cm

  53 µSv/h

850 µSv/h

2

Magnetron CV 7008

30 kV

40 cm

10 cm

  50 µSv/h

250 µSv/h

3

Thyratron PL 522

16 kV

40 cm

10 cm

62,5 µSv/h *)

1000 µSv/h

4

Gleichrichterdiode

CV 2967, 8020 oder 8020W

5-8 kV

10 cm

1 µSv/h

*) Maximalwert aus einer Reihe von 10 Messwerten. Mittelwert 14 µSv/h.

 

……..Messwerte der Photonen-Äquivalentortsdosisleistung (Hx/h) werden auf den für Arbeiten am geöffneten Senderschrank zu Grunde zu legenden Abstand von 40 cm des Oberkörpers vom Röntgenstörstrahler bezogen. Näher an den Röntgenstörstrahlern liegende Aufpunkte werden zu Vergleichszwecken mit aufgeführt, sind aber für die Dosisbetrachtungen ohne Belang, da im Inneren des Senders und Modulators keine Einstellelemente vorhanden warennmerkung zur Dosis und

 

Anmerkung: Da nicht nur Frequenzwechsel bei der Reparatur und Instandsetzung gemacht werden, kommt der Techniker gerade bei der Fehlersuche mit Hochspannungstastköpfen z.B. Spannungsmessungen, Oszillographieren von Impulsen usw. sehr nahe mit dem Oberkörper, Kopf,  in den Strahlungsbereich.

Anmerkung: Messwerte Thyratron auch hier macht man es sich einfach – den Mittelwert zu nehmen                    

              Dann kann man nicht schreiben „ Maximale Orstdosisleistung „ es sind Werte

              von 500 mrem/h  (5m/Sv)  und 1500mR/h ( 15 mSv) und mehr gemessen worden.

 

Aussage Dr Theile BWB 16.3.76 Messergebnisse: Thyratron PL 522 mR/h 1-5000 oder höher
 

3.3. SGR-114

 

3.3.1. Technische Beschreibung

 

Die SGR-114-Anlagen wurden auf den Schiffen auch unter der Bezeichnung Luftwarnanlage SGR-114/10 zur Früherkennung von weit entfernten und hoch fliegenden Luftzielen eingesetzt. Im Unterschied zu den SGR-103 und SGR-105-Anlagen arbeiteten die SGR-114-Anlagen im niedrigsten Frequenzbereich (etwa 1,3 GHz). Sie waren ebenfalls modular aufgebaut (siehe Abbildung 10). Die Anlagen wurden von der Firma Hollandse Signaalapparaten B.V., Hengelo, Niederlande, hergestellt und mit Indienststellung der Zerstörer der "Hamburg"-Klasse eingeführt. Mit Außerdienststellung dieser Schiffsklasse endete 1994 die Nutzung der SGR-114-Anlagen, die weit weniger verbreitet waren als die SGR-103- und SGR-105-Anlagen (siehe Tabellen 1 und 2).

  

3.3.2. Störstrahler

 

In der SGR-114-Anlage befanden sich Störstrahler

I.         im Sender

Magnetron                              Typ 5J26

II.        im Modulator

a) 2 Clipperdioden                 Typ 8020

b) Thyratron                           Typ PL 522

III.      im Stromversorgungskasten

6 Gleichrichterröhren             Typ 8020.

  

Sender und Modulator waren zusammen in einem 1940 mm hohen, etwa 1200 mm breiten und 600 mm tiefen Gehäuse, das an Bord und im Marinearsenal auf einem 100 mm hohen Sockel montiert war, untergebracht. Die Abbildungen 11 und 12 zeigen Ansichten und Skizzen des Senders/Modulators. Das Magnetron befand sich zwischen den Abdeckungen A und C, also in etwa 1 m Höhe. Die Clipperdioden waren etwa gleichhoch wie das Magnetron montiert. Der Einbauort Thyratron lag hinter der Abdeckung F (Abbildung 12) in etwa 50 cm Höhe.

 

 

Abbildung 10: Übersicht der SGR-114 Anlage

  

Die Gleichrichterdioden waren im Stromversorgungskasten von 1700 mm Höhe, 750 mm Breitee und 600 mm Tiefe untergebracht, der an Bord und im Marinearsenal auf einem etwa 100 mm hohen Sockel montiert war. Die geometrischen Verhältnisse sind in Abbildung 13 angegeben. Die Einbauhöhe der Gleichrichterröhren betrug etwa 50 cm.

 

  

 

Abbildung 11: Ansicht des Oberteils (links) und des Unterteils (rechts) des Senderschrankes

  

                

 

Abbildung 12: Einbaumaße des Sender/Modulators der SGR-114-Anlage (Längenangaben in mm).


 

    

 

Abbildung 13: Schematische Ansicht des Stromversorgungskastens (rechts) und Ansicht des geöffneten Unterteils (Abdeckung C) nach der Modifizierung.

 

In Tabelle 7 sind die Störstrahler Baugruppen übergreifend zusammengefasst

 

Tabelle 7: Störstrahler der SGR-114-Anlage

 

Nr

Baugruppe

Störstrahler

Hochspannung

Betriebswert

1

Sender

Magnetron 5J26

31 kV

2

Modulator

Clipperdiode

17 kV

3

Modulator

Thyratron CV 2520, PL 522 oder 5C22

17 kV

4

Stromversorgungs-

Kasten

Gleichrichterdiode CV 2967, 8020 oder 8020 W

bis 8,5 kV

 

3.3.3 Werte der Ortsdosisleistung

 Tabelle 8:    Maximalwerte der Ortsdosisleistung an den Röntgenstörstrahlern des Senders und der Hochspannungsversorgung der SGR-114- Anlage

 

Nr

Störstrahler

max. Hoch-

spannung

Abstand

Maximale Orts-dosisleistung

1

Clipperdiode

31 kV

o.A.*)

 150 µSv/h

2

Magnetron

31 kV

10 cm

 < 1 µSv/h

3

Thyratron

12 kV

5 cm

 0,5 µSv/h

4

Gleichrichterdiode

bis 8,5 kV

o.A.*)

  60 µSv/h

  *) Aufpunkt der Messung: vordere Schrankinnenseite.

 

Anmerkung:

Diese Werte , können  nur von einer Messung aus dem Jahre 1963 auf der „Scheer“ stammen mit anderen Messmitteln als ab 1976.

Andere Messungen scheinen nicht berücksichtigt worden sein, ebenso wenig wie die

Tatsache, dass der Senderaum SGR 114   1977  Kontrollbereich  wurde.

BWB AT IV 4  22.06.76  Lösungsvorschläge HSA : Ersatz des Rückschlagthyratrons

 SGR 114 durch Festkörpereinheit

 

4. Beschreibung der Tätigkeiten

 

4.1 Betrieb der Anlagen an Bord

 

Grundsätzlich wurden die Radaranlagen mit dem 'Seeklarmachen' des Schiffes etwa zwei Stunden vor dem geplanten Auslaufen eingeschaltet und verblieben dann im 24-Stunden-Sendebetrieb. Die Radaranlagen wurden spätestens mit der Statusänderung 'Seeklar zurück' nach dem Einlaufen des Schiffes ausgeschaltet. Insgesamt wurde für die Schiffe eine durchschnittliche 'Stehzeit in See' von 120 Tagen im Jahr angestrebt. Im Hafen wurden die Radaranlagen nur zu Wartungs- bzw. Instandsetzungsarbeiten sowie zur Fehlersuche und bei - selten stattfindenden - Übungen eingeschaltet. Die Abbildungen 14 und 15 zeigen die Aufstellung der Sender und Netzteile in den entsprechenden Räumen von Fregatten der Klasse 120.

 

Abbildung 14: Skizze eines typischen Radarsenderraumes

 

Abbildung 15: Skizze eines typischen Radarempfangsraumes

 

4.2 Betrieb der Anlagen in den Marinearsenalen

 

Die Geräte in den Marinearsenalen wurden als Referenzanlagen für Instandsetzungen und Abstimmarbeiten, sowie zu den halbjährlichen Härtungen der in den Marinematerialdepots als Ersatzteile bevorrateten Magnetrons genutzt. Dazu waren sie ständig betriebsbereit. Abbildung 16 zeigt die Radarwerkstatt des Wilhelmshavener Marinearsenals.

 

Abbildung 16: Raumskizze der Radarwerkstatt des Marinearsenals Wilhelmshaven

 

Im Rahmen von Sofortinstandsetzungsmaßnahmen waren Defekte, die an den Bordanlagen auftauchten, in möglichst kurzer Zeit zu beseitigen. Dies geschah zum einen durch Reparaturen direkt an Bord der Schiffe, zum anderen durch Austausch der defekten Baugruppen gegen funktionierende Baugruppen und anschließende Instandsetzung der defekten Baugruppen mit Hilfe der Referenzanlage.

 Eine weitere intensive Nutzung der Referenzanlagen im Marinearsenal Wilhelmshaven ergab sich bei Depotinstandsetzungen der SGR-Trägerschiffe. Dazu wurden die Einschübe und Baugruppen der Anlagen komplett von Bord entfernt und in die Referenzanlage eingebaut, um hier eine Grundüberholung durchzuführen. Um die Messtätigkeit zu erleichtern und die Messmöglichkeiten zu erweitern, wurden viele interne elektrische Verbindungen auf Steckerfelder herausgeführt.

 Wegen der Häufigkeit, mit der für alle möglichen Arbeiten in die Gerätegehäuse eingegriffen werden musste, ist nachvollziehbar, dass man grundsätzlich auf das Anbringen der Abdeckungen verzichtete. Neben den Instandsetzungen wurden in den Arsenalen, hauptsächlich in Kiel, die turnusmäßig notwendigen Härtungen der in den Depots eingelagerten Magnetrons durchgeführt. Dazu mussten die Geräte über mehrere Stunden bei eingeschalteter Hochspannung arbeiten.

 

4.3 Beschreiben der Tätigkeit nach ATN

 

4.3.1. Ausbildung

 

Bordtechniker

 

Die Unteroffiziere und Mannschaften der Marine wurden entsprechend ihrem Tätigkeitsfeld spezifischen Fachrichtungen zugeordnet. Für das Tätigkeitsfeld der Elektroniker wurden die in Tabelle 9 aufgelisteten Fachrichtungsbezeichnungen vergeben.

 Tabelle 9:  Fachrichtungsbezeichnungen und Tätigkeitsfelder der Marine-Elektroniker

Fachrichtung

Tätigkeitsfeld

24

Führungsmittelelektronik,

ältere Bezeichnung: Fernmeldeelektronik

32

Überwasserwaffenelektronik

36

Unterwasserwaffenelektronik

59

Luftfahrzeugelektronik

 

Die Fachrichtung 24 entstand zwischen 1963-1965. Vor dieser Zeit waren die Operatoren auch die Instandsetzer der Ortungsanlagen und wurden als „Radarmechaniker“ bezeichnet. Eine Vergabe der ATNs (Ausbildungs- und Tätigkeits-Nummern) erfolgte ab Anfang der 70-er Jahre. Die hier näher zu betrachtenden Soldaten der Fachrichtung 24 erhielten die in Tabelle 10 aufgelisteten ATN.

 

Tabelle 10: ATN der Fachrichtung 24

ATN

Dienstgrad

700 5835

Führungsmittelelektronikoffizier

724 5865

Instandhalter Bootsmann Führungsmittelelektronik

724 5875

Instandhalter Maat Führungsmittelelektronik

724 5885

Instandhalter Gast Führungsmittelelektronik

 

Der Ausbildungsumfang wurde in den Ausbildungsanweisungen festgelegt. Ausgebildet wurde für alle damals am Bord befindlichen elektronischen Geräte. Darunter fielen, wie sich aus einer Ausbildungsanweisung aus dem Jahre 1968 für den Fachlehrgang Führungsmittelelektronik unter der Rubrik 'Gerätetechnik' ergibt, die Funkempfänger und ‑Sender, Seenotsender, elektronische Navigationsgeräte, EloKa-Geräte (Geräte der elektronischen Kampfführung) und Radargeräte, u.a. auch der SGR-Familie. Die Ausbildung der Bordtechniker erfolgte an der Marineortungsschule (MOS) in Bremerhaven.

 

Arsenaltechniker

 Voraussetzung für die Besetzung eines Dienstpostens im Dezernat 'Radarortung' der Arsenale war eine abgeschlossene Berufsausbildung als Radio- und Fernsehelektroniker oder in einem artverwandten Beruf. Anlagen spezifische Kenntnisse mussten sich die Techniker selbst erarbeiten. Eine Ausbildung in Form von Lehrgängen fand für die SGR-Anlagen nicht statt. ATN-Nummern wurden nicht vergeben. Das führte dazu, dass alle Mitarbeiter mit sämtlichen Anlagenteilen vertraut waren, so dass eine ausgewogene Arbeitsauslastung erreicht werden konnte.

 4.3.2 Art der Tätigkeit

 Tätigkeit des Bordpersonals

 Die Radaranlagen wurden durch Soldaten des so genannten Hauptabschnittes 3 (frühere Bezeichnung 3. Division) bedient und gewartet. Dieser Hauptabschnitt war im wesentlichen zuständig für den operativen Einsatz der Schiffe und bestand daher auch personell aus Bedienern, die funktionalen und aufgabenbezogenen Abschnitten wie dem Navigationsabschnitt, dem Fernmeldeabschnitt und dem OPZ-Abschnitt (Operationszentrale) zugeordnet waren. Die dort eingesetzten Geräte wie beispielsweise Kompassanlagen, Funkgeräte und Radaranlagen wurden von den Soldaten eines weiteren Abschnittes des Hauptabschnittes 3 instand gehalten. Dieser Abschnitt bestand aus einem Abschnittsleiter (Elektronikoffizier) aus der Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes, einem oder zwei Elektronikmeistern und drei Elektronikunteroffizieren der Fachrichtung 24. In der Tätigkeit des Bordpersonals des Hauptabschnittes 3 sind Operator/Bediener einerseits und Bordtechniker andererseits zu unterscheiden.

 

a) Operator/Bediener

Die als Operator/Bediener eingesetzten Soldaten des Hauptabschnittes 3 haben grundsätzlich keine Instandhaltungsarbeiten an den von ihnen bedienten Geräten durchgeführt.

 

b) Bordtechniker

Die Soldaten der Fachrichtung 24 waren zuständig für die Instandhaltung der Führungsmittelgeräte (Radar- Navigations- und Fernmeldegeräte sowie Geräte der internen Kommunikation) in den Materialerhaltungsstufen 1 und 2, in Ausnahmefällen auch der Materialerhaltungsstufe 3.

 

Die Tätigkeiten der Materialerhaltungsstufe 1 umfassen im wesentlichen die Durchführung von Pflegearbeiten, Betriebsüberwachungsmaßnahmen, technische Durchsichten vor, während und nach der Benutzung, Funktionsüberprüfungen, Wartungen und einfache Reparaturen.

 

Die Tätigkeiten der Materialerhaltungsstufe 2 umfassten im wesentlichen Befundungen, Wartungen, den Austausch leicht auswechselbarer Bau- und Unterbaugruppen, einfache Instandsetzungsarbeiten an mechanischen, hydraulischen, elektrischen und elektronischen Baugruppen und Bauteilen sowie einfache Änderungsarbeiten.

 

Die Tätigkeiten der Materialerhaltungsstufe 3 umfassten im wesentlichen Befundungen, Wartungen, den Austausch von Bau- und Unterbaugruppen, die Instandsetzungen bestimmter Bau- und Unterbaugruppen, schwierige und zeitaufwändige Instandsetzungsarbeiten an Geräten, Baugruppen und Bauteilen sowie schwierige Änderungsarbeiten.

 

Tätigkeit des Arsenalpersonals

 Das Personal der Radarwerkstätten war zuständig für die Durchführung der Arbeiten der Materialerhaltungsstufen 3 und 4.

 

Die Tätigkeiten der Materialerhaltungsstufe 4 umfassten im wesentlichen Befundungen, schwierige und zeitaufwändige Instandsetzungsarbeiten aller Waffensysteme/Geräte/Baugruppen/Bauteile und schwierige Änderungsarbeiten.

 

Die Tätigkeiten wurden im Rahmen sowohl der Sofortinstandsetzung als auch der Depotinstandsetzung durchgeführt.

 

a)  Sofortinstandsetzung

Defekte an den Anlagen, deren Behebung die Mittel und Möglichkeiten des Bordpersonals überstieg, wurden auf Antrag des Bordkommandos durch ein Marinearsenal behoben. Diese Reparaturen fanden in der laufenden Betriebsperiode des Schiffes statt und erforderten die Präsenz der Arsenaltechniker an Bord unabhängig vom Liegeplatz des Schiffes.

 

b) Depotinstandsetzung

 

Die Schiffe wurden in regelmäßigen Abständen aus der Verfügbarkeit der Flottenführung heraus genommen und zu einer Zwischen- oder Depotinstandsetzung in eine Werft verbracht. Für die Radaranlagen bedeutet dies, dass die Komponenten der Geräte zunächst befundet und ausgebaut wurden, um dann in der Referenzanlage im Marinearsenal einer Prüfung und ggf. Instandsetzung unterzogen zu werden. Nach Durchführung der hierzu notwendigen Arbeiten und Abgleich der Komponenten erfolgte gegen Ende der Werftliegezeit der Wiedereinbau an Bord. Anschließend wurde die Anlage wieder in Betrieb genommen und im Rahmen eines Funktionstestes abgenommen.

 

4.3.3 Arbeitsabläufe

 

Arbeitsabläufe Bordpersonal

 

Zu den in Tabelle 10 aufgeführten und heute nicht mehr verwendeten ATN liegen keine Tätigkeitsbilder aus den 60-er und 70-er Jahren mehr vor. Sie dürften aber den derzeit aktuellen - in Vergleich zu früher sehr ausführlich gehaltenen - Tätigkeitsbildern für die Instandhalter  von Radargeräten ähneln. Darin heißt es u.a.:

- Durchführung der Materialerhaltung im Truppenbereich

- In Betrieb nehmen, Abstimmen und Einregeln der Geräte und Anlagen des Teil-

  bereiches

- Suchen von Fehlern an Geräten und Anlagen des jeweiligen Teilbereiches im

  Rahmen des Materialerhaltungskonzeptes

- Instandhalten der Geräte und Anlagen des jeweiligen Teilbereiches

- Instandhalten von Werkzeugen, Prüf-, Mess- und Arbeitsgeräten

 

Grundlage für die routinemäßig durchzuführenden Arbeiten im Rahmen der Materialerhaltung ist das PME-Verfahren (planmäßige Materialerhaltung). Darin sind die in bestimmten Zeitabständen durch die Bordtechniker durchzuführenden Arbeiten in detaillierten Arbeitsschritten festgelegt. Grundlage hierfür sind die Empfehlungen des Geräteherstellers. Die Arbeitsanweisungen werden als PME-Anweisungen herausgegeben. Für die SGR-Anlagen sind die Unterlagen nicht mehr verfügbar. Die für die Erstellung der PME-Anweisungen notwendigen Arbeitsschritte wurden auch in der zum Radargerät gehörenden Technischen Dienstvorschrift geschildert. Es ist in diesen Vorschriften (Stand 1990) kein Arbeitsschritt zu finden, der einen Eingriff in einen geöffneten Sender erforderte.

 

Das Einregeln und Abstimmen der Radarsender fand vor der Modifizierung der Anlagen 1976/77 bei geöffneten Sendergehäuse statt, da sich dort Bedienelemente befanden. Bei jedem befohlenen Frequenzwechsel waren ebenfalls Eingriffe bei geöffnetem Gehäuse erforderlich. Das Abstimmen erforderte viel Erfahrung. Eine Fehlbedienung konnte eine mehrstündige Neuabstimmung bei laufendem Sender erforderlich machen. Frequenzwechsel wurden nicht nur aus taktischen Gründen befohlen, sondern häufig in der Hoffnung, dadurch ein schlechtes Radarbild zu verbessern.

 

Die Ursachen auftretender Fehler wurden mit Hilfe der vorhandenen technischen Unterlagen und entsprechender Mess- und Prüfmittel gesucht, wobei die Zuordnung zu den einzelnen Materialerhaltungsstufen und damit auch die Zuständigkeit häufig unklar war. Da eine unmittelbare personelle Unterstützung durch die Marinearsenale auf See ohnehin kaum erfolgen konnte, war dies auch ohne praktische Bedeutung. Die Einsatzbereitschaft des Waffensystems hatte höchste Priorität. Eine Fehlersuche konnte sich über mehrere Tage hinziehen, nicht zuletzt auch wegen der im Vergleich zu den Marinearsenalen reduzierten Ausstattung mit Mess- und Prüfmitteln. Die Beseitigung eines Fehlers erfolgte durch Instandsetzen der Baugruppe, durch Austausch von Bauteilen oder durch Ersatz einer defekten Baugruppe aus dem Bordersatzteilvorrat. Nicht an Bord vorhandenen Ersatzteile wurden auf dem Versorgungsweg nachgefordert. Je nach Art des zu beseitigenden Fehlers konnte auch eine Neuabstimmung des Gerätes erforderlich sein.

 

Falls der Fehler nicht zu identifizieren war, wurde eine Unterstützungsforderung für den nächsten Hafen an das Marinearsenal gestellt. Dazu war eine möglichst genaue Fehlerbeschreibung und eine Beschreibung der bisher durchgeführten Maßnahmen der Fehlersuche notwendig. Anhand dieser Angaben konnten die nachreisenden Arsenaltechniker eine Vorauswahl der vermutlich benötigten Ersatzteile zusammenstellen.

 

Die Instandsetzungsmaßnahmen der Arsenaltechniker wurden durch die Bordtechniker in vollem Umfang begleitet und unterstützt.

 

Arbeitsabläufe Arsenalpersonal

 

Eine aus dem Jahre 1976 stammende Tätigkeitsdarstellung eines Mitarbeiters des Marinearsenals, Dezernat „Ortungstechnik“ listete im einzelnen folgende Tätigkeiten auf:

            - Aus- und Einbau der Radaranlagen an Bord und in der Werkstatt zwecks

  Grundüberholung
            - Reinigen der Einschübe und Gehäuse mit entsprechenden Mitteln
            - Erneuern und Instandsetzen defekter Bauteile
            - Abgleich- und Justierarbeiten an Bauteilen der Anlage
            - Messen nach Protokoll an der Anlage
            - Hilfeleistung bei der Reparatur der Anlage an Bord
            - Fehlersuche und Fehlerbeseitigung an Anlagen mit Hilfe zweckmäßiger Messgeräte.

 

Eine geräteteilbezogene schwerpunktmäßige Aufgabenverteilung wurde nicht vorgenommen. Das verfügbare Personal konnte für jede Aufgabe herangezogen werden.

 

Das Marinearsenal führte in der Regel keine Routinewartungsarbeiten an den Geräten durch. Instandsetzungen wurden grundsätzlich nur im Rahmen von Sofortinstandsetzungsmaßnahmen oder Depotinstandsetzungen durchgeführt.

 

Sofortinstandsetzung

Bei nutzerseitig geforderten Sofortinstandsetzungsmaßnahmen prüften die Radartechniker des Arsenals an Bord das Fehlerbild. Nach Analyse und Beseitigung des Fehlers erfolgt eine Abstimmung der Anlage. Prüf- und Messmittel wurden je nach Bedarf eingesetzt. Die Instandsetzung und Abstimmung der defekten Baugruppe fand entweder an Bord oder in der Referenzanlage statt.

 

Die Sender der SGR-Anlagen 103 und 105 bildeten eine der Schwachstellen in den Radargeräten dieser Familien. Häufige Fehlfunktionen wurden z. B. durch einen unstabilen Grundoszillator, der eine Fehlanpassung und als Folge davon erhöhte Spannungswerte am Thyratron bewirkte, hervorgerufen. Immer wieder kam es in den Hochspannungsbereichen zu Kriechströmen und Spannungsüberschlägen, die häufig nur bei Dunkelheit sichtbar waren. Die Ursachenermittlung konnte sich dabei über mehrere Stunden oder Tage hinziehen. Die Sender- und Modulatorschränke blieben dabei geöffnet.

 

Auch bei Abstimmungsarbeiten musste der Senderschrank geöffnet bleiben. Die Einstellung der Magnetronfrequenz und das Nachziehen der Empfängerfrequenz am Klystron und der TR-Zelle war nur bei geöffnetem Sender möglich.

 

Depotinstandsetzung

Zur Depotinstandsetzung wurden die Radaranlagen möglichst komplett in das Marinearsenal verbracht. Sie wurden zerlegt und gesäubert, mechanische Verschleißteile und beschädigte Bauteile ausgewechselt oder instandgesetzt. Die elektronischen Röhren wurden geprüft bzw. ausgewechselt. Abschließend erfolgte die Inbetriebnahme und eine Komplettabstimmung zunächst im Marinearsenal, später nochmals nach Einbau an Bord.

  

4.3.4 Arbeitszeitansätze

 

Bordtechniker

 

Ein im Hafen liegendes Schiff stand für Instandsetzungsmaßnahmen in der Regel uneingeschränkt zur Verfügung. Bei einem in Fahrt befindlichen Schiff gab es folgende Bereitschaftszustände:

 

a) Übungsmarsch: Die Besatzung führte den normalen Tagesdienst durch. Nur die für die sichere Teilnahme am Seeverkehr notwendigen Besatzungsangehörigen befanden sich auf den Wachstationen. Für das Instandhaltungspersonal bestand die Gelegenheit, planmäßige und außerplanmäßige Instandhaltungsmaßnahmen an den verfügbaren Geräten durchzuführen.

 

b) Kriegsmarsch: Etwa 50% der Besatzung befanden sich auf ihren Wachstationen, um einen sofortigen Ersteinsatz der Waffen zu ermöglichen. Dieser Zustand konnte mehrere Tage und Wochen beibehalten werden. Die Verfügbarkeit der Geräte musste gewährleistet sein. Planmäßige Materialerhaltungsmaßnahmen konnten nicht durchgeführt werden. Bordtechniker mussten rund um die Uhr verfügbar sein, um bei Anlageausfällen sofort eine Fehlerbehebung einleiten zu können.

 

c) Gefechtsbereitschaft: Die gesamte Besatzung befand sich auf ihren Wachstationen. Die maximale Kampfkraft jeden Waffenträgers konnte sofort gefordert sein. Dieser Zustand konnte über mehrere Stunden aufrecht gehalten werden. Das Instandsetzungspersonal war schwerpunktmäßig in den Betriebsräumen verteilt.

 

 

Während die Mitarbeiter des Dezernates 'Radarortung' des Arsenals ausschließlich Radaranlagen betreut haben, waren die Bordtechniker für alle Anlagen des Bereiches 'Führungsmittelelektronik' zuständig. Von der Gesamtjahresarbeitszeit entfiel auf die Radaranlagen ein Anteil von etwa 50%. Geht man von gleichen Arbeitszeitanteilen und Verteilungen bei den einzelnen Radaranlagen vor den geöffneten Geräten aus wie bei den Technikern der Marinearsenale im Rahmen der Sofortinstandsetzung, ergeben sich folgende Arbeitszeitansätze:

 

Jahresarbeitszeit ca. 1500 Stunden, davon an Radargeräten 750 Stunden.

 

Etwa 30% der an den Radargeräten zugebrachten Arbeitszeit entfielen auf Arbeiten an geöffneten Geräten, in denen Störstrahler vorkamen. Daraus ergibt sich eine Verweildauer von 250 Stunden.

 

Im Gegensatz zum Marinearsenal waren die Schränke der Anlagen an Bord im Normalbetrieb geschlossen. Der geschlossene Modulator der SGR-105-Anlage beinhaltet somit keine Exposition bei Arbeiten am Empfänger.

  

Anmerkung: Auch durch die Lüftungsschlitze war im Betrieb Streu-Störstrahlung

               zu messen

 z.B. WWDBw ABC Schutz vom 30.12.75 Strahlenbelastung bei geschlossenem Schrank.  Bediener Abstand 40 cm 20 Std pro Woche mittlere Dosisleistung 1,5 mR/h  Einrichtung Kontrollbereich nötig

 

Die Zeiten verteilen sich auf Anlagen und Anlagenteile wie folgt:

 

Tabelle 11: Verteilung der Arbeitszeit des Bordpersonals an Radaranlagen

Baugruppe

Arbeitszeitanteil

Arbeitszeit/Jahr

Sender SGR-103

50%

125 h

Sender SGR-105

 (incl. Modulator SGR-105

40%

 

100 h

  10 h)

Sender SGR-114

10 %

  25 h

 

Für die Bordtechniker, die Instandsetzungen an den Radaranlagen SGR-103, SGR-105 und SGR-114 durchgeführt haben, ergibt sich die Jahresarbeitsstundenzahl am offenen Sender/Modulator entsprechend der Ausrüstung der Schiffe (Tabelle 1).

  

Personal der Marinearsenale

 

Marinearsenal Wilhelmshaven:

Für Depotinstandsetzung einer Radaranlage SGR-103 wurden insgesamt 2600 Stunden angesetzt, für die Depotinstandsetzung einer SGR-105 eine Zeitdauer von 3400 Stunden. In einem Betrachtungszeitraum von 5 Jahren wurden 12 Geräte vom Typ SGR-103 und 10 Geräte vom Typ SGR-105 einer Depotinstandsetzung unterzogen. Das ergibt bei 25 Mitarbeitern eine Arbeitszeit von 522 Stunden pro Jahr für Depotinstandsetzungen. Legt man für die Jahresarbeitszeit ca. 2000 Stunden fest, verbleiben für die Tätigkeiten der Sofortinstandsetzung 1478 Stunden, wobei 10% Leerlaufzeiten abgezogen werden können. Es verbleiben ca. 1300 Stunden pro Mitarbeiter und Jahr.

 

Etwa 25 % der Arbeitszeit bei Depotinstandsetzung entfallen auf Arbeiten am laufenden Sender. Das ergibt ca. 130 Stunden pro Mitarbeiter und Jahr.

 

Etwa 30 % der Arbeitszeit bei Sofortinstandsetzungen entfallen auf Arbeiten am laufenden Sender. Das ergibt ca. 390 Stunden pro Mitarbeiter und Jahr.

 

Für Arbeiten am Modulator bei geöffnetem Gerät und dem darüber befindlichen Empfänger der SGR- 105-Anlage wird die gleiche Stundenzahl wie die Senderstundenzahl zugrunde gelegt.

 

Die von der Aufsichtsbehörde (WBV II) im Jahre 1976 für bestimmte Personen festgestellten Werte weichen von diesen Angaben ab. Sie zeigen eine große, personenabhängige Bandbreite, z. B. für die maximale Arbeitszeit am Gerät SGR-103 zwischen 130 h/a und 2,4 h/a, und liegen für das Personal des MArs Wilhelmshaven für die Geräte SGR-103 und die SGR-105 unter den im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen ermittelten Werten; für das Gerät SGR-114 liegen entsprechende Daten nicht vor.

In Tabelle 12 sind die Arbeitszeiten für die einzelnen Geräte zusammengefasst, die Maximalwerte sind fett gedruckt.

In Anlage 2 sind die von den Aufsichtbehörden für Einzelpersonen ermittelten Zeiten zusammengefasst.

 

Tabelle 12: Verteilung der Arbeitszeit des Personals des Marinearsenals Wilhelmshaven an Radaranlagen

Baugruppe

Arbeitszeitanteil

Arbeitszeit/Jahr

 

diese Ermittlung

diese Ermittlung

Ermittlungen WBV II von 1976

 

 

 

Maximalwert

Mittelwert

Kleinster Wert

Sender SGR-103

50%

260 h

130 h

59 h

2,4 h

Sender und Modulator

SGR-105

40%

208 h

125

65

10 h

Sender SGR-114

10 %

52 h

k.A.

k.A.

k.A.

 

Marinearsenal Kiel:

Im Ostseebereich waren nur wenige Einheiten mit Radaranlagen der SGR-Familie ausgerüstet. Entsprechend niedriger war die Anzahl der an diesen Anlagen tätigen Mitarbeiter. Der Zeitansatz für Arbeiten am offenen Sender liegt nach Einschätzung der Betreffenden bei ca. einer halben Stunde pro Tag.

 

Die von der Aufsichtsbehörde (WBV I) im Jahre 1976 für bestimmte Personen festgestellten Werte weichen von diesen Angaben ab. Sie zeigen - wie beim MArs Wilhelmshaven - eine große, personenabhängige Bandbreite, z. B. für die maximale Arbeitszeit am Gerät SGR-103 zwischen 228 h/a und 0,3 h/a. Die damals festgestellten Maximalwerte liegen für das Personal des MArs Kiel bei allen Geräten deutlich über den im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen ermittelten Werten, während die Mittelwerte beider Untersuchungen vergleichbar groß sind. In Tabelle 13 sind die Arbeitszeiten für die einzelnen Geräte zusammengefasst, die Maximalwerte sind fett gedruckt. Einzelheiten zu den von der WBV I im Jahre 1976 ermittelten personenbezogenen Zeiten sind in Anlage 2 aufgeführt.

 

Tabelle 13: Verteilung der Arbeitszeit des Personals des Marinearsenals Kiel an Radaranlagen

 

Baugruppe

Arbeitszeitanteil

Arbeitszeit/Jahr

 

diese Ermittlung

diese Ermittlung

Ermittlungen WBV I von 1976

 

 

 

Maximalwert

Mittelwert

Kleinster Wert

Sender SGR-103

50%

55 h

228 h

52 h

0,3 h

Sender und Modulator

SGR-105

40%

44 h

228 h

47 h

1,1 h

Sender SGR-114

10 %

11 h

57 h

13 h

0,3 h

 

4.4  Dosiswerte

 

Der bisher im Rahmen der „Aufklärung der Arbeitsplatzverhältnisse Radar“ geübten Praxis entsprechend werden die in den vorliegenden Untersuchungen ermittelten Maximalwerte der Ortsdosisleistung bzw. der auf die maximalen Werte der Dauer der Tätigkeit und der Position des Beschäftigten im Strahlenfeld bezogenen Ortsdosis zu Grunde gelegt, auch wenn ggf. die Werte der Ortsdosisleistung nur ein Mal festgestellt wurden und absichtliche Veränderung technischer Parameter während der Messung, um den ungünstigsten Fall zu erfassen, zu diesem Wert geführt haben.

 

In der nachfolgenden Tabelle 14 sind die Werte der Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) für die Tätigkeitsbereiche Bord, MArs Wilhelmshaven und MArs Kiel zusammengefasst.

Ferner werden konservativ Werte der effektiven Dosis E (Körperdosis bzgl. des Ganzkörpers) angegeben, obwohl die einzelnen Strahlenfelder, wie im Bericht beschrieben, nicht zu einer Exposition des gesamten Körpers geführt haben.

Die Werte wurden anhand der Angaben in Band 43 der Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission („Berechnungsgrundlage für die Ermittlung von Körperdosen bei äußerer Strahlenexposition“ aus dem Jahr 2000) aus den maximalen Werten der Photonen-Äquivalentdosis Hx berechnet; als Quantenenergie wurde die zahlenmäßig der Betriebsspannung gleichgesetzte Grenzenergie des Röntgenbremsspektrums angesetzt.

  

Die Einzelberechnungen für die einzelnen Gerätetypen und Tätigkeitsbereiche sind in Anlage 1 aufgeführt (Tabelle 14 entspricht der Zusammenfassung auf Seite 10 der Anlage 1).

 

Anmerkungen:

 

wenn ggf. die Werte der Ortsdosisleistung nur ein Mal festgestellt wurden und absichtliche Veränderung technischer Parameter während der Messung, um den ungünstigsten Fall zu erfassen, zu diesem Wert geführt haben.

 

 

Ich kann mich nicht erinnern, das es dieses gegeben hat, alle hohen gemessenen Werte wurden im Orginalzustand der Radargeräte gemacht. Natürlich waren diese Geräte z.T. mit Fehlern behaftet oder hatten verbrauchte Röhren – nach Reparatur, bzw. Röhrentausch waren die Werte meistens niedriger.

Ausnahme: „ Emden“ diese Anlage wurde nach an Bord gemessenen 42-50 R/h ausgebaut und im Arsenal wieder aufgebaut, auch dort sind dann die ca. 50 R/h gemessen worden.

 

……Quantenenergie wurde die zahlenmäßig der Betriebsspannung gleichgesetzte Grenzenergie des Röntgenbremsspektrums angesetzt.

Dies ist meiner Ansicht nach ein Fehler, da die „Hochspannung“ durchaus höher sein

konnte. Fehler im Grundgenerator usw.

 

……Werte der effektiven Dosis E (Körperdosis bzgl. des Ganzkörpers) angegeben, obwohl die einzelnen Strahlenfelder, wie im Bericht beschrieben, nicht zu einer Exposition des gesamten Körpers geführt haben.

Unsere Arbeitsweise habe ich schon beschrieben, was bis jetzt nicht beachtet wurde ist, das wir z.B. im Senderaum einer Fregatte durchaus von 3 Seiten ( Radargeräte ) bestrahlt wurden. z.B. Von Vorn von der SGR 103, dahinter im Rücken die SGR 105 und von der Seite von der

Feuerleitanlage M2.
 

Tabelle 14:

Zusammenfassung der Werte der Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) und der effektiven Dosis E

 

 

 

bezogen auf die jeweiligen Zeitansätze

 

 

 

und die Tätigkeitsbereiche  Bord, Mars Wilhelmshaven und Mars Kiel:

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Bordpersonal

 

 

 

 

Gerät

Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) pro Jahr

 effektive Dosis E pro Jahr

Zeitansatz

 

Maximalwert i. Abstd.

Maximalwert i. Abstd.

 

 

40 cm

10 cm

40 cm

 

 

mSv

mSv

mSv

h/a

SGR 103

5957

94919

1710

125

SGR 105

12,4

146

4,18

100

SGR 114

 -

3,79

 -

25

Gesamt

5969

95069

1714

250

 

 

 

 

 

 

2. Personal Mars Whv

 

 

 

 

Gerät

Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) pro Jahr

effektive Dosis E pro Jahr

Zeitansatz

 

Maximalwert i. Abstd.

Maximalwert i. Abstd.

 

 

40 cm

10 cm

40 cm

 

 

mSv

mSv

mSv

h/a

SGR 103

12390

197432

3557

260

SGR 105

25,7

303

8,69

208

SGR 114

 -

7,89

 -

52

Gesamt:

12415

197743

3566

520

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Personal Mars Kiel

 

 

 

 

Gerät

Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) pro Jahr

effektive  Dosis E pro Jahr

Zeitansatz

 

Maximalwert i. Abstd.

Maximalwert i. Abstd.

 

 

40 cm

10 cm

40 cm

 

 

mSv

mSv

mSv

h/a

SGR 103

10865

173133

3119

228

SGR 105

28,19

332

9,52

228

SGR 114

 -

8,65

 -

57

Gesamt

10893

173474

3129

513

 

 

 

 

 

 

Umrechnungen:

1 mSv = 100 mR;

1000 mSv = 1 Sv = 100 R

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

5. Zusammenfassung

 

Das zentrale Ergebnis der aus den verfügbaren Unterlagen zusammengestellten Ergebnisse der Röntgenstörstrahlungsemissionen aus den SGR-103, SGR-105 und SGR-114-Anlagen ist in den Tabellen 4, 6, bzw. 8 zusammengefasst. Für die Bewertung der Exposition ist im wesentlichen die im Sender befindliche Clipperdiode zu berücksichtigen, für deren Röntgenstörstrahlungsemission ein weiter Bereich von Werten der Ortsdosisleistung gemessen wurde.

 

Das zentrale Ergebnis der durchgeführten Ermittlung der Arbeitszeiten ist in den Tabellen 11 – 13 zusammengefasst, die sich aus diesen Daten ergebenden Dosiswerte in Tabelle 14.

  

Ergänzend zu diesen Ergebnissen und zur Abrundung des Bildes ist auf die zeitnah gewonnenen Erkenntnisse hinzuweisen:

 

a) Dosiswerte

Die Feststellung hoher Emissionen aus den Sendern der SGR-Anlagen war, wie bereits genannt, Anlass einer Reihe von Maßnahmen, die u.a. auch die Erfassung des betroffenen Personenkreises und eine Dosisermittlung bzw. Dosisfestsetzung für einzelne, namentlich genannte Personen durch die Aufsichtbehörde betrafen.

Die Unterschiede jener Dosisfestsetzungen zu den Angaben in diesem Bericht beruhen darauf, dass im Rahmen der derzeitigen Ermittlungen Maximalwerte zu Grunde gelegt werden, während die Aufsichtsbehörden damals ihre Berechnungen auf der Basis mittlerer Werte der Ortsdosisleistung vornahmen: Am Arbeitsplatz wurde bei dem Gerät SGR-103 eine Ortsdosisleistung von 100 Milliröntgen pro Stunde (entsprechend 1000 µSv/h), bei dem Gerät SGR–105 eine Ortsdosisleistung von 5 Milliröntgen pro Stunde (entsprechend 50 µSv/h) zu Grunde gelegt.

 

b) Strahlenbiologische Untersuchungen

Mit weiteren Untersuchungen hinsichtlich der Höhe der Dosis war das Bayerische Landesinstitut für Arbeitsmedizin – Strahlenbiologische Arbeitsgruppe – mit der Erstellung eines chromosomendiagnostischen Gutachtens beauftragt worden. Dieses Institut wertete Blutproben von 27 Personen aus, die z. T. über 10 Jahre lang die Radargeräte SGR 103 und SGR 105 bedient oder gewartet hatten.

Im Gutachten des Instituts (18.11.1976) wird festgestellt, dass sich eine Durchschnittbelastung von mehr als 4 rem pro Person pro Jahr weitgehend ausschließen lässt (Anm.: rem – Röntgen equivalent men – ist die frühere Einheit der Äquivalentdosis; heutiges Analogon ist die Einheit Sievert der Körperdosis. Eine Äquivalentdosis von 1 rem entspricht einer Körperdosis von 10 Millisievert. Der Grenzwert der (Ganzkörper)Dosis für beruflich strahlenexponierte Personen betrug 5 rem pro Jahr; der Wert 4 rem entspricht 40 Millisievert).

Das Gutachten resümiert:

„Es ergab sich gegenüber unbestrahltem Blut keine erhöhte Chromosomenbruchrate. Die Durchschnittsexposition, als Ganzkörperäquivalent gemessen, liegt signifikant unter der gesetzlich zulässigen Jahresdosis. Anhaltspunkte für erhöhte individuelle Expositionen wurden nicht gefunden, für eine leicht erhöhte Bruchrate der höchstexponierten Gruppe können sie nicht statistisch gesichert werden“.

 

Anmerkung: Anlage zu BMVg/S I 4        05.08.76    ….. chromosomale Aberrationsanalyse eine Dosis von 11rem nachweisbar, gilt nur für ein Jahr, weiter zurückliegende Strahlendosen, nur teilweise.

Insan. wies darauf hin, dass Strahlenschäden nicht ausgeschlossen werden können, wenn durch die chromosomale Aberrationsanalyse oder andere ärztliche Untersuchungen Strahlenschäden über längere Zeit, selbst hohen Dosen nicht nachgewiesen werden.


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -1-

 

Wegen der unterschiedlichen Betriebsspannung hat die Röntgenstrahlung der einzelnen Störstrahler unterschiedliche Energien. Deshalb wurden die Beiträge Hx der einzelnen Störstrahler zunächst mit dem Konversionsfaktor H*(10) / Hx multipliziert und aus diesem Produkt die Summe der den einzelnen Geräten zuzuordnenden Dosis H*(10) gebildet.

 

Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -2-

 

 

Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -3-

 


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -4-

 


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -5-

 

 


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -6-

 

 


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -7-

 

 


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -8-

 

 


 
Anlage 1 zum Teilbericht „SGR-Familie“                            -9-

 


 

Zusammenfassung der Werte der Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) und der effektiven Dosis E / Anl. 1 zu SGR-Familie S.10

bezogen auf die jeweiligen Zeitansätze und die Tätigkeitsbereiche

Bord, MArs Whv und MArs Kiel

 

 

 

 

 

 

 

1. Bordpersonal

 

 

 

 

Gerät

Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) pro Jahr

effektive  Dosis E pro Jahr

Zeitansatz

 

Maximalwert i. Abstd.

Maximalwert i. Abstd.

 

 

40 cm

10 cm

40 cm

 

 

mSv

mSv

mSv

h/a

SGR 103

5957

94919

1710

125

SGR 105

12,4

146

4,18

100

SGR 114

 -

3,79

 -

25

Gesamt

5969

95069

1714

250

 

 

 

 

 

 

2. Personal Mars Whv

 

 

 

 

Gerät

Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) pro Jahr

effektive Dosis E pro Jahr

Zeitansatz

 

Maximalwert i. Abstd.

Maximalwert i. Abstd.

 

 

40 cm

10 cm

40 cm

 

 

mSv

mSv

mSv

h/a

SGR 103

12390

197432

3557

260

SGR 105

25,7

303

8,69

208

SGR 114

 -

7,89

 -

52

Gesamt:

12415

197743

3566

520

 

 

 

 

 

 

3. Personal Mars Kiel

 

 

 

 

Gerät

Umgebungs-Äquivalentdosis H*(10) pro Jahr

effektive  Dosis E pro Jahr

Zeitansatz

 

Maximalwert i. Abstd.

Maximalwert i. Abstd.

 

 

40 cm

10 cm

40 cm

 

 

mSv

mSv

mSv

h/a

SGR 103

10865

173133

3119

228

SGR 105

28,19

332

9,52

228

SGR 114

 -

8,65

 -

57

Gesamt

10893

173474

3129

513

1 mSv = 100 mR;

1000 mSv = 1 Sv = 100 R

 

 

 


 
Anlage 2 zum Teilbericht „SGR-Familie“                Seite 1/1

 

 

 

            
 

Anmerkung zu Seite 11

Aussage: Die Röntgenstörstrahlung trat aus Clipperdiode und Thyratron als vertikal begrenztes Strahlenbündel in Einbauhöhe der Röhren aus. Am Aufenthaltsort des Personals (Abstand 40 cm) war es im Höhenbereich zwischen etwa 80 – 140 cm mit einem Maximum in etwa 110 cm. Somit ist nicht von einer Ganzkörperexposition durch Strahlung mit dem Maximalwert dieser Strahlenfelder auszugehen……..

 

Diese Darstellung ist völlig falsch;  Röntgenstrahlung trat auch an der Seite des Radarsenders aus , nicht umsonst haben wir die Bleiplatte - siehe Bild - damals an der Seite angebaut 

siehe auch: WWDBw ABC Schutz Prüfbericht Nr 11 Auftragsnummer 68108 vom 20.04.76 Ortsdosisleistung 15 R/h gemessen 25 cm Abstand – linke Aussenseite –

 

Auf die Körperhaltung bei der Reparatur möchte ich noch einmal eingehen

Anmerkung: Da nicht nur Frequenzwechsel bei der Reparatur und Instandsetzung gemacht werden, kommt der Techniker gerade bei der Fehlersuche mit Hochspannungstastköpfen z.B. Spannungsmessungen, Oszillographieren von Impulsen usw. sehr nahe mit dem Oberkörper, Kopf,  in den Strahlungsbereich.

         

 

  

   Aussage:   …….. Hinweise auf erhöhte jenseitig der angegebenen Spannung des Magnetrons liegende Betriebsspannungen hatten sich als nicht stichhaltig erwiesen.

 

Anmerkung: Auch diese Aussage ist falsch ( trotz besseren Wissens, ich habe die Unterlagen zur Verfügung gestellt). Schreiben vom 16.03.1981  ……… bei 4 Röhren entstand vorübergehend eine größere Strahlung……., da der Grundgenerator unsicher wurde und Spannungen bis 18 kV lieferte.

Diese Erfahrung machten wir auch schon 1976 mehrfach

z.B. - siehe Bild -  Erhöhung der Spannung um 10 kV                                                  und damit auch ein Anstieg der Röntgenstörstrahlung.

 

  

Die angegebenen Messwerte weichen von meinen vorhandenen Unterlagen doch erheblich ab. 

So können die Maximalwerte z. B. Clipperdioden 59 mSv/h nicht stimmen. Die Messungen wurden in der Regel in einem Abstand von 30 cm vom Gerät gemessen, das sind ca. 50 cm von den Störstrahlern. ( BWB AT IV 4 – Az 47-80-00    2.2.1976 Messung vom 13.01. -15.01.76)

WWDBw ABC Schutz Prüfbericht Nr 11 Auftragsnummer 68108 vom 20.04.76 Ortsdosisleistung 15 R/h gemessen 25 cm Abstand – linke Aussenseite – usw.

So wurden z. B. auch die Werte von 50 R/h ( 500 mSv auf der „ Emden „ ) auf einem Zerstörer 15 R/h ( 150 mSv ) usw. im Abstand von ca. 50 cm von den Störstrahlern gemessen , übrigens auch bei der Rekonstruktion der gefährlichen Störstrahlung ( Aufbau des defekten Senders der „ Emden „ im Marinearsenal ) wurden an die 50 R/h (500 mSv/h) in einem Abstand von 50cm gemessen.

 

Anmerkung zu den Thyratrons  PL 522  Meiner Ansicht nach auch auf andere Gerätetypen übertragbar. Messungen von 1,5 R/h ( 15m Sv/h ) an der SGR 105 belegen dies.

 

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