Kanaltaufe

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Vorwort

Die Kanaltaufe ist angelehnt an die Äquatortaufe. Da unser Boot den Äquator aber nie überqueren würde, hat man sinniger weise, wenn ein Besatzungsmitglied zum ersten mal den Nordostseekanal befahren hat, die "Kanaltaufe" eingerichtet. Da wir mit einem Anteil von 85% der Besatzung, zum 01.01.1967 neu auf Tender Elbe eingeschifft  waren, hatte Neptun alle Hände voll zu tun.

 

Vorbereitungen

Tage vor der Kanaltaufe wurden die "Neulinge" von den "Alten" an Bord mit allerlei dummen Witzen und Erzählungen auf das großer Ereignis eingestimmt. Je nach dem, wie die Kameraden drauf waren, wurden ihnen Geschichten erzählt, daß sie weiche Knie bekamen. Im Funkraum kam eine Meldung von der Stammdienstelle der Marine an, in der ein Boot angemeldet wurde, das Gäste einschiffen sollte. Die Funker bekamen Anweisung, dieses Schreiben in der Bordzeitung zu veröffentlichen. Es war schon eine tolle Sache, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, was diese ganze Aktion für unmögliche Auswüchse der Fantasie hervorbrachte. Es wurde lange gerätselt, wer denn da kommen würde und und und...  Nachdem wir den Kanal befahren hatten, mit einigen kleinen und mittleren Mißgeschicken, ging es eine Woche in die Werft, um die Mißgeschicke wieder zu verbergen. Danach hoch nach Dänemark. Dort lagen wir in einer kleinen Bucht vor Anker. Da kam . . .

 

Der Tag, der Kanaltaufe

Das Boot lag ruhig vor Anker und drehte sich langsam um die Kette. Die See lag wie ein Brett. Gegen 16.00 Uhr Z wurde vom Ausguck ein Boot gemeldet, daß sich von achtern dem Tender näherte. Das war DAS Boot, das von vielen schon lange erwartet wurde. Die "Altgedienten" wurden auf das Achterdeck befohlen, um das Boot zu empfangen. Die "Neuen" an Bord hingen auf dem B-Deck und haben sich den Rummel von oben angesehen. In dem Boot, ich weiß heute noch nicht, wo es hergekommen ist, saßen und standen grausige Gestalten. Neptun persönlich gab sich die Ehre, mit seinen Getreuen und Vasallen auf unser unreines Schiff zu kommen. Thetis begleitete ihn auf dieser wichtigen Reise. Der Kommandant kam persönlich auf die Schanz, um der Gottheit zu huldigen und die Bootsbesatzung an Bord willkommen zu heißen. Der Feudel zog sogar einen Wimpel mit einem Dreizack am Mast hoch. Soll heißen, Neptun an Bord. Alles ab in den Torpedoklarmachraum. Dort war für den Gott der Meere ein Thron aufgebaut, von dem aus er alles überblicken konnte. Im Torpedoaufzug hing eine Plane, gefüllt mit Seewasser. Auf der kleinen Rehling, die den Schacht umgab, lag ein mannsgroßes Brett. Am Schott zur Kombüse stand eine Back mit allerlei leckeren Sachen, auf die ich noch zurückkomme. Der gesamte Hofstaat hatte es sich auf der Backbordseite des Torpedoklarmachraumes bequem gemacht, was aber nicht von langer Dauer sein sollte. Ein erbärmliches Pfeifen riss alle aus ihrer "Göttlichen Huldigung",  - Die Täuflinge im Torpedoklarmachraum antreten - Anzug weiße Hose Takelpäckchen, nackter Oberkörper -  schallte es gellend aus den Bordlautsprechern. In kürzester Zeit standen die Täuflinge in Reih und Glied. Die als letzte kamen, bekamen schon die ersten Hiebe von den Vasallen des Neptun zu spüren. Danach nahm ein Dreigezackter mit Blickrichtung auf Neptun, der durch  nicken, oder kopfschütteln eine Auswahl der Behandlungsstufe vornahm. Ich hatte die Ehre ein rotes Kreuz auf dem Rücken zu tragen, Stufe drei, die harte Seite der Taufe. Jeder, der noch unrein war, wurde zur Reinigung aufgerufen. Vor Neptun auf die Knie, mit Hieben, die nach Einstufung auch ganz schön zwiebelten. Von den Vasallen zur Reinigung des Körpers an die Back mit den Rumkugeln geschleift. Die Rumkugeln waren ca. knödelgroß und braun. Sie sahen ganz lecker aus, aber dann. Sie bestanden aus gekochtem Reis, mit Senf, Paprika und Kaffeemehl angemacht. Diese Kugel war kaum im Mund verschwunden, bekam man ein Glas zum nachspülen in die Hand gedrückt. In dem Glas befand sich aber kein Wasser, sondern lauwarmer Korn. Wer da noch nicht die Kotzgrenze erreicht hatte kam in die Wäsche. Von vier Götterboten auf das Brett über der Plane mit Wasser gehoben, zwei weitere Vasallen kamen mit Besen und Schmierseife und schrubbten und den Rücken bis er rot anlief. Danach das Brett an der Seite angehoben, zack war man im Seewasser der Plane. Es war schon mühsam, sich in dem schmalen Schacht wieder in die Senkrechte zu begeben. Einige mal untergetaucht, damit auch gewiss war Seewasser zu schlucken, dann raus und weggejagt. Na ja, war eigentlich nicht so schlimm, duschen war angesgt und dann ging die Post ab. Durchsage Bordlautsprecher   BAR IS OPEN! Da ging es an die Kanne. Es war eine rauschende Nacht. Es stellte sich dann heraus, daß Thetis in Wirklichkeit Btsm Holtschmitd, unser Steuermann, war und so weiter. Ich war von da an rein und durfte den Kanal in beide Richtungen befahren. Der Taufschein liegt in überarbeiteter Form, als PDF Datei vor.

         

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Bilder aus dem Jahr 1967-Kanaltaufe sind von Rolf Theo Martens ausgestellt.

 

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