Kopfgeld

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Kopfgeld.
 

Zeitsoldaten bekamen zum Dienstausscheiden einen Finanzausgleich. Nachdem die Hälfte der Dienstzeit herum war, gab es auch die Hälfte des Finanzausgleiches, den Rest gab es dann am Ende der Dienstzeit. In der Umgangssprache der Betroffenen hieß das zur Hälfte der Dienstzeit ausgezahlte Geld einfach Kopfgeld. Unser HG. bekam so an die 2000 DM ausgezahlt. Er bestellte sich eine Taxe und fuhr erst einmal nach hause, nach Pinneberg. Wir lagen zu der Zeit in Wilhelmshaven am Bontekai. Das war alles Freitags, am späten Nachmittag. Keiner hat sich bei der Sache etwas gedacht. Nur im Nachhinein ist es ja schon ein tolles Ding, von Wilhelmshaven nach Pinneberg mit einem Taxi zu fahren. In Pinneberg hat er sich von oben bis unten neu eingekleidet. Knallbuntes Hemd, helle Hose vom Feinsten, weiße Textilschuhe mit kleinen Blümchen. Das haben wir bei seiner Rückkehr alles zu sehen bekommen. Nur  w i e  er zurückgekommen ist, das war die Megaspitze überhaupt. Da der Wochenendurlaub Sonntag um 1.00 Uhr zu ende war, stand fest, da kam noch etwas hinterher. Unser HG. kam am Montag gegen Mittag auf der Pier angeschlichen, ging auf die achtere Spring zu und fing an sich an ihr zum Dampfer hoch zu hangeln. Die Wache gab schon durch die Bordsprechanlage Durch: " HG. Bolte kommt an Bord!" Die Besatzung kam, um den Kameraden gebührend zu empfangen. Auch der WO. war schon vor Ort. Die Schanz wurde zum Wettbüro, schafft er es bis zum Schiff, oder nicht. Es war von weitem schon zu sehen das da noch andere Faktoren eine Rolle spielten. Er konnte sich ja kaum auf den Beinen halten und dann an dem Tau? Langer Rede kurzer Sinn, er hat es bis auf den Dampfer geschafft. Der WO. hat ihm noch die helfende Hand gereicht und zog ihn an Bord. Dann meinte der WO: "Na Bolte, keine Meldung"?  -  Ohne ein Wort zu sagen drehte der OG. sich um und hangelte sich an dem Tau wieder in Richtung Pier. Alles lacht! Da, - die Kräfte hatten ihn nun doch verlassen, er fiel mit einem klatschenden Geräusch in das Hafenbecken. Die Freiwache stand aber schon mit Bootshaken bereit und fischte ihn heraus.

Die Hose war grau bis schwarz, die Blümchen auf seinen Schuhen brauchten nicht mehr gegossen zu werden und sein Hemd ging bei der Bergung ganz drauf. Geld für Taxi und geistige Getränke ausgegeben. Kopfgeld war weg. Eine Strafe hat es nicht gegeben, der WO. meinte wohl, er sei ja schon genug gestraft. Einige Arbeitsstunden waren da wohl drin, aber das machte unserem HG nichts aus, er war ja eine Seeziege und für die Kutter zuständig, die er nun sauber machen durfte.