Pantry

 

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Pantrygast in der PU-Messe

 

Für einen W18er kann man sich nichts schöneres vorstellen, als den Dienstgraden alles hinterher zu tragen. Von der 3. Division mußte jeder einen Monat als Pantrygast in der PU-Messe knechten. Ich auch! Wie aus den vorhergegangenen Erzählungen hervorgeht, war ich ja auch ein guter Soldat, wenn man mich nur in Ruhe ließ. Nun war ich also der Chef in der PU-Pantry. Die kleine Pantry war direkt an der Wache, hinter dem Niedergang zum Deck VI Z 2. Da ich in diesem Deck beheimatet war, war es den PU's immer ein leichtes, wenn ich Dienstfrei hatte, einfach in den Niedergang zu brüllen "Pantry" und meine Pause war beendet.

Am ersten Tag meiner Pantryerfahrung ging es sofort hoch her bei den Herren Bootsmännern. Zum Mittag gab es Goulasch mit Kartoffeln und Gemüse. Das Essen wurde vom Pantrygast aus der Kombüse abgeholt und in der PU-Messe aufgebackt. Da ich ein findiges Kerlchen war, habe ich auf eine Back die Schüssel mit dem Fleisch, auf die nächste Back die Schüssel mit den Kartoffeln gestellt. Das Gemüse wurde in kleinen Schälchen serviert. Teller und Besteck war schon ordnungsgemäß für alle verteilt, es konnte gegessen werden.

Dann wurde es langsam immer lauter in der Messe. Ich ging hinein, um nachzusehen was da los war und bekam einen Schlag. Die Fleischschüsseln waren leer, die Kartoffelschüsseln waren noch nicht einmal angefangen. Ich wurde mächtig angeranzt, warum denn kein Fleisch da sei und - und - und. Alles redete durcheinander, es war schon sehr nervig. Als ich dann einmal zu Wort kam, habe ich meinen lieben Bootsmännern dann erklärt, wie ich mir das gedacht hatte. Erst Kartoffeln oder Fleisch auf den Teller füllen, dann die Schüsseln tauschen und umgekehrt nachlegen. Dann hätte jeder Kartoffeln und Fleisch gehabt. So aber war es dann, daß die eine hälfte der PU's Fleisch ohne Kartoffeln gegessen hat und die andere Hälfte war noch hungerig.     Frage:  "Ja und Nun?"   Antwort:    "Kartoffeln essen und morgen üben wir noch einmal!"  Da ging das Gemecker schon wieder los. Nur einer saß still in seiner Ecke und sagte zu dem Tumult nichts. Der Schmadding, die Seemännische Nr.: 1 an Bord. Auf Grund seines Alters war er auch der Chef der PU-Messe und hatte dort das Sagen. Als es ihm dann irgend wann zu bunt wurde, sorgte er für Ruhe. "Wenn ihr zu faul seid, die Schüsseln hin und her zu reichen, müßt ihr eben nur Kartoffeln essen! Laßt den Jungen jetzt seine Arbeit machen!" Das war ein Machtwort.

An den darauf folgenden Tagen ging alles wie am Schnürchen. Durch diese Maßnahme hatte ich natürlich ein drittel weniger Geschirr abzuwaschen und hatte früher Freizeit. Da schrie schon wieder einer: "Pantry, ich habe durst!" Das war natürlich ein Notfall, der sofort abgestellt werden mußte. Als Pantry hatte ich auch die Bierverwaltung in der Hand. Eine aufreibende Tätigkeit. Auch für Sonderaktionen wurde der Pantrygast eingespannt.

Kommt einer der Bootsmänner zu mir und meinte, er habe Geburtstag und er wollte die gesamten PU's in der Messe mit einer Feier überraschen. Ob ich Musik besorgen könnte. Na klar, da war er bei einem Funker ja gerade richtig. Nur da kam wieder eins hinzu, die 60 Herz Stromversorgung auf dem Tender. Im Funkraum hatten wir ja 50 Herz für die Empfangs- und Sendegeräte, auf dem Schiff hatten wir das nicht. Den Plattenspieler aus der Musikzentrale wurde ausgebaut und in die Messe gebracht. Schallplatten waren ja auch nicht so viel da, aber es ging für eine Stunde ganz gut. Als so langsam die ersten Platten zum zweiten mal aufgelegt wurden, haben schon einige ganz komisch zu mir herüber gesehen. Gesagt hat aber noch keiner was. Es dauerte aber nicht lange, dann fingen die PU's auch an zu meckern, was denn mit der Musik sei, immer das Gleiche, ist nichts anderes da? Und da kam meine Stunde. Ich stellte mich an's Schott und rief in die Messe: "Meine Herren, die Bordkapelle von Tender Elbe. Da kamen sie dann herein, ein Schifferklavier, eine Trompete, eine Gitarre und eine Trommel. Die vier stellten sich in einer Ecke der Messe auf und fingen an zu spielen. Das war die größte Show, die je in der PU-Messe abgezogen wurde. Die Feier ging bis 3.00 Uhr. Die Kapelle bekam Dienstfrei. Es war keiner da, der die Feier nicht leicht beschwipst verlassen hätte. Nach dem Motto,   "Arsch voll  -  Toll!"  gingen alle in die Pofe und schliefen den Schlaf der Gerechten. Als Pantry-Klunte hatte ich natürlich wieder einen Meilenstein gesetzt.

Der Dienst als Pantrygast war nach einem Monat beendet. Man wollte  mich zwar noch einen weiteren Monat als Pantryklunte vergattern, es hatte den Bären wohl gut gefallen, aber das habe ich nicht machen müssen, weil es schon Krach gegeben hatte, daß ich überhaupt in die Pantry gehen sollte. Wir waren viel zu wenig Funker an Bord, als das man die Leute als Bedienung für die PU's einsetzten könnte. Und schlecht hin fuhr ich auch noch nach dem Rollenplan als Wachleiter. War aber eine wichtige Erfahrung, die ich als Pantrygast gemacht habe. War auch einfach gut.  

 

 

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