Platzangst

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Ein Gast vom Schnellboot

 

Es war nichts besonderes, daß ein Schnellboot zur Reparatur mußte und die Besatzung auf dem Tender eingeschifft wurde. Da die Tenderbesatzung sehr stark unterbesetzt war, konnte man jede helfende Hand gut gebrauchen. So kam es also, daß ein Funker aus dem Geschwader auf den Tender kam. Ein guter Kamerad, das kann ich sagen, denn wir Funker kannten uns ja alle aus Eckernförde und Flensburg. Wir haben ja schon ein halbes Jahr zusammen alles ertragen müssen was kam. Aber nun kam Rolf. Rolf  war 2.05 Meter lang. Wenn man neben ihm stand, kam man sich wie ein Zwerg vor. Er nahm aber alle Nachteile seiner Länge ganz locker und machte das Beste daraus. Da in unserem Deck alle Kojen besetzt waren, mußte er hinten in die dunkle Ecke, in der die Freiwache am Tage pennen konnte. Die Ecke war mit einem Vorhang abgeteilt und die rote Manöverbeleuchtung war aus. Wenn man geschlaucht von seinem Zweierwachtörn kam, war die Ecke genau das Richtige zum Schnarchen. (Wegen der roten Funzel, die wir abgeklemmt hatten, sollte einer von uns wegen Sabotage bestraft werden. Wir konnten das aber verhindern, weil kein Schuldiger gefunden wurde und "Beschwerde Emil" vor einer Gemeinschaftsstrafe, unter Androhung einer Beschwerde, gewarnt hatte).

Mitten in der Nacht, ein heulen, als wäre ein Rudel Wölfe an Bord. Alles raus aus den Kojen und der Sache auf den Grund gehen war angesagt. Rolf lag mit dem Kopf am Fußende der Koje und heulte wie ein Wolf, der eine Woche kein Futter hatte. Als wir ihn ansprachen, was denn los sei, erschrak er fürchterlich und wußte gar nicht was los war. Er war noch total weggetreten. Na ja, er legte sich wieder richtig in die Koje und die Nacht verging wie immer. Eine Nacht später wieder das gleiche Theater. Immer kam er aus einem ganz tiefen Schlaf hoch und erschrak sich so, daß wir schon Angst hatten ihn zu wecken.
Das war natürlich eine Sache für unseren Sanitäter. Endlich mal ein richtiger medizinischer Notfall. Er stellte die Diagnose  -Platzangst-. Der Sani. gab unserem Hobbywolf eine Flasche mit Beruhigungssaft mit, von der er vor dem Schlafengehen einen Esslöffel voll nehmen sollte. Mittagschlaf nach der Wache. Rolf nimmt seinen segensreichen Löffel und legt sich hin. Die nächste Wache konnten wir ohne ihn durchziehen. Er wurde gar nicht mehr wach. Rolf lag in seiner Koje und schlief den Schlaf der Gerechten. Gegen Abend kam er langsam wieder an Deck und fühlte sich nach langer Zeit mal wieder ausgeschlafen. Nun aber gingen wir in unsere Miefkörbe und schnarchten um die Wette. Rolf saß an der Back und wußte nicht, was er nun mit sich anstellen sollte, er war ja ausgeschlafen. Vom Dienst war er befreit, also, die Buddel aus dem Spind genommen und los gings. Am Morgen als alles langsam zur Besinnung kam, nahm er seinen Löffel Saft und legte sich hin. Und wieder hat er den ganzen Tag verpennt. Nachts ging das Spiel mit der Flasche wieder los. Das war natürlich auch keine Lösung.
Das Ende vom Lied, nach einem schlaflosen Tag mußte er zum Sani und sich seine Ration Saft für eine Nacht abholen. Danach in die Heia und alles war in Ordnung. Nur komisch, daß er auf dem Schnellboot keine Platzangst hatte, das ist doch viel kleiner als unser Tender.
 

 

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