Weihnachten 66 

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Aus einem Brief, den ich im Dezember 1966 an meine Schwester schrieb.
 
Fernmeldeschule Flensburg
 

. . . . . Ich hatte noch nie, außer als wir beide noch klein waren, so eine weihnachtliche Stimmung, wie zur jetzigen Zeit. Hier in der Kaserne hängt in jeder Etage, auf jedem Deck, ein großer Adventkranz mit vier Kerzen. Am ersten Advent wurde dann an jedem Kranz eine Kerze angezündet. Die Stubendienste brauchten kein Reinschiff zu machen, sondern sie sollten unter jedem Adventkranz ein Lied singen. Alles was auf den Stuben war kam an Deck und sang mit. Ich kann Dir gar nicht schreiben, wie astrein das ist. Alles tiefe Männerstimmen, einige, vielleicht drei, vier, wunderbare Tenöre, die die Bässe wie ein Windhauch übertönen. Der Gesang fängt ganz leise an, die hohen Stimmen fallen etwas lauter ein und übertönen nur um eine Kleinigkeit die Bässe. Der Gesang wird langsam lauter. Ein Kamerad hat eine wundervolle Stimme, mit der er das Lied trägt, während die anderen Kameraden die Begleitung leise zufügen. Das Lied hängt wie eine Rauchfahne im Gang, schleicht sich über die Niedergänge in die anderen Decks, um sich endlich in den äußeren Ecken zu brechen und langsam zu verhallen. Von allen Ecken, Nischen und Winkeln tönt leise brechend das Echo zurück und erstirbt langsam. Alles lauscht diesem ausklingenden Ton nach. Die zweite Strophe setzt ein! Sie beginnt ganz leise, hört sich aber nach dem zarten verklingen der ersten Strophe an wie Donnerhall. Der Gesang schwillt an, wir fallen alle ein, singen mit. Die Gedanken aber enteilen bei dem feierlich anmutenden Gesang in die Ferne, nach hause. Das Lied verklingt, gebrochen tönt das Echo zurück, eilt über den Gang, wird von der gegenüber liegenden Seite zurückgeworfen, erstirbt. Man meint es verendet kläglich, ja jämmerlich. Die Gedanken kehren träge in die graue Kaserne zurück. Der Traum ist aus, die Gedanken zerrissen und zerfetzt. Wann wird das nächste mal gesungen? Man wartet schon darauf. Wie mag es wohl an Bord eines Schiffes sein? Wenn dann Weihnachten kommt, verflucht man die Lieder? Verabscheut man den trägen Gesang aus Männerkehlen? . . . . .

 


 

 

Es wurde das Lied "Guten Abend, Gute Nacht" gesungen. Natürlich die Marineversion, in der es heißt:

 

- morgen Früh, wenn Gott will, stehst du wieder am Spill.-