Weihnachten 67

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Weihnachten 1967

 

Werftliegezeit in Elsfleth/Unterweser.

 

An Feiertagen, die auf die Truppe emotionale Wirkung ausüben, wurde die scharfe Munition der    Wachposten gegen Übungsmunition ausgetauscht. Ich habe mich gefragt, warum? Am heiligen Abend anno 67 wurde an Bord von Tender Elbe ein besonderes Menü aufgebakt. Truthahn mit, was weiß ich, für Beilagen, Vorsuppe, danach Pudding. Alles lecker. Wir hatten, das muß ja auch einmal gesagt werden, sehr gute Smutches an Bord. Die Jungens verstanden Ihr Handwerk. Selbst die Mittelwächte war immer von besonderer Qualität. Aber zurück zum heiligen Abend. Nach dem Mittagessen, eine Stunde auf das Ohr gehauen, dann wieder in die Messe. Weihnachtsfeier der Besatzung. Im großen und ganzen war die Weihnachtsfeier nur eine in die Länge gezogene Ansprache des Kommandanten, ein Werftvertreter gab seinen Senf dazu, was alles wichtig ist auf dieser Welt, danach der Vertreter der Gemeinde Elsfleth. Der machte es dann aber kurz, da die Ermüdungserscheinungen schon deutlich zu erkennen waren. Von jeder Delegation bekamen wir auch eine Tüte mit Leckereien überreicht. Bei der Sichtung dieser wohl feinen Tüten, drang schon ein angenehmer Duft aus der Kombüse zu uns herüber. Es roch unverwechselbar nach Punsch. Weihnachtspunsch, wie auf dem  Weihnachtsmarkt in der Heimat, weit weg von unserem Tender. Der Smut hatte es geschafft, die Brücke nach hause war also schon geschlagen. Einer der Kameraden kam, durch den Inhalt der Werft-Weihnachtstüte angeregt, auf die Idee, die Flasche Rotwein, die in der Tüte war mit in den Punsch zu geben, um ihn ein wenig zu veredeln. Ein zweiter Kamerad meinte, die Flasche aus der Geschwadertüte sollte man auch sofort mit hineingießen, denn das war auch eine Rotweinflasche. In der Tendertüte war eine kleine Weinbrandflasche, die auch den Weg in den Kochkessel fand. Alles wartete nun auf die Punschfreigabe durch den Smut. Der laberte schon dummes Zeug, vom vielen probieren. Die Kelle, mit der er immer einen kleinen Schluck aus dem Kessel angelte, gab er nicht aus der Hand. Dann war es so weit. Abendbrot wurde eingenommen, nicht so langsam, denn nach dem gemeinsamen Abendessen gingen die Offiziellen von Bord und überließen es uns, auf Deutschland aufzupassen. Das Essen war beendet, jeder bekam eine 3l Aluminium-Kaffeekanne mit dem vorzüglichen Punsch in die Hand gedrückt. Einer der Freiwächter brachte dem Posten Stelling eine Kanne nach draußen. Es war bitterkalt im Wachhäuschen. Der Wachgänger war aber schon tätig und hatte sich einen alten Heizkörper, der irgendwo auf dem Schrott im Werftgelände herumlag, in das Häuschen gestellt. So konnte er auf dem Heizkörper sitzen und von draußen sah es aus, als würde er knackig auf Wache stehen. Mit dem Punsch im Körper wurde es ihm dann auch bald wärmer. Eins hatte er aber nicht bedacht, in dem alten Heizkörper, den er sich vom Schrott geholt hatte, waren eine Unmenge Kakalacken beheimatet, die den Umzug in das Wachhäuschen gar nicht gut fanden. Also machten die sich auf den Weg in wärmere Gefilde. Da kam ihnen die warme Punschkanne gerade recht. Einige von diesen Tierchen krabbelten sogar an der Kanne hoch, um hinein zu sehen. Dabei fielen eine nicht unerhebliche Anzahl Tierchen in die Kanne. Die Wache war nur mit seiner Tasse beschäftigt und merkte davon nichts. Erst als er wieder mit der Tasse in der Kanne eintauchte und einen Schluck von dem vorzüglichen Punsch nahm, merkte er, daß da etwas in dem Punsch war, das da nicht hinein gehörte. Ausspucken! Dann lief der Fremdkörper auch noch weg! Da war es mit der Fassung am Ende. Da half auch kein Pusch mehr. Die Kanne ausschütten und erkennen was da vor sich ging, war das Eine. Was in seinen Hosenbeinen herumkrabbelte war das Andere. Da er lauthals am Krakehlen war, kamen natürlich einige Kameraden zu ihm herunter gelaufen und konnten gerade noch verhindern, daß er mit seiner Flinte in das Wachhäuschen schoß. Der Punsch war denn doch wohl nicht für Jedermann geeignet. Und mit der Munition hatte man auch Recht.

 

 

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